Jeder kennt wahrscheinlich diese eine Situation aus dem Sportunterricht oder dem Fitnessstudio. Man steht in der Umkleidekabine, versucht sich irgendwie unauffällig unter dem Handtuch umzuziehen und hofft einfach, dass niemand genauer hinschaut. Das eigene Schamgefühl kickt in solchen Momenten extrem rein. Aber warum genieren wir uns eigentlich so sehr dafür, unseren Körper und unsere Genitalien zu zeigen? Ist das ganz natürlich oder wird uns das nur eingeredet?
Der Mythos vom angeborenen Schamgefühl
Die Wissenschaft hat darauf eine ganz klare Antwort: Schamgefühl ist uns nicht angeboren. Wenn du kleine Babys oder Kleinkinder anschaust, flitzen die im Sommer am liebsten komplett nackt durch den Garten oder über den Strand. Denen ist das absolut nicht peinlich. Wir lernen dieses Gefühl erst im Laufe unserer Kindheit. Wenn Eltern ihren Kindern immer wieder sagen, dass sie sich anziehen sollen, weil Besuch kommt, oder dass bestimmte Körperteile privat sind, programmiert sich unser Gehirn um. Wir verinnerlichen ganz automatisch, dass Nacktheit etwas ist, das man verstecken muss.
Von der Höhle in die Gesellschaft
Dass wir überhaupt Kleidung tragen, hatte früher rein praktische Gründe. Die ersten Menschen mussten sich vor Kälte, Regen und Verletzungen schützen. Irgendwann wurde aus diesem simplen Schutz aber eine feste soziale Regel. Religionen und gesellschaftliche Normen haben den Körper im Laufe der Jahrhunderte immer mehr tabuisiert. Unsere Genitalien wurden zu einer reinen Privatsache erklärt, die nur hinter verschlossenen Türen gezeigt werden darf. Wenn wir heute diese unsichtbare Grenze überschreiten und uns vor anderen ausziehen müssen, schlägt unser Gehirn sofort Alarm.
Der absolute Stressfaktor: Die Pubertät
Besonders krass wird dieses Schamgefühl in der Pubertät. Dein Körper verändert sich plötzlich, alles wächst, man bekommt Haare an neuen Stellen und vergleicht sich ständig mit den anderen Jungs. Gerade für uns queere Jugendliche kommt in der Umkleidekabine oft noch ein weiteres Level dazu. Man hat vielleicht Angst, jemanden versehentlich zu lange anzuschauen, oder man fürchtet sich davor, dass die anderen denken, man würde gaffen. Dieser mentale Druck macht das Nacktsein dann noch einmal deutlich unangenehmer.
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Du bist völlig normal
Das Wichtigste, was du aus all dem mitnehmen solltest: Es ist absolut okay und völlig normal, wenn du dich beim Nacktsein genierst. Du bist mit diesem Gefühl definitiv nicht alleine. Fast jedem Jungen in der Umkleide geht es ganz genauso, auch wenn die meisten nach außen hin versuchen, total cool zu wirken. Wenn du dein Handtuch um die Hüften binden möchtest, bis du unter der Dusche stehst, dann mach das einfach. Niemand zwingt dich dazu, deinen Körper zu zeigen, wenn du dich dabei nicht hundertprozentig wohlfühlst.
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