Ein queerer Aktivist wird ermordet, und die Polizei tut wenig. Also nimmt sein Freund die Sache selbst in die Hand und taucht in die Welt der Neonazis ein. Klingt nach hartem Tobak? Ist es auch. Der litauische Regisseur Romas Zabarauskas verpackt in "The Activist" einen Racheplot in ein beklemmend aktuelles Setting, das zeigt, wie real die Bedrohung queerer Menschen in Osteuropa noch immer ist.
Triggerwarnung: Der Film thematisiert Hassverbrechen gegen LGBTQ+-Personen, Gewalt und rechtsextreme Ideologie.
Die Geschichte: Trauer wird zur gefährlichen Mission
Andrius (Robertas Petraitis) verliert seinen Freund, einen LGBT+-Aktivisten, durch einen brutalen Mord. Als die Behörden kaum Fortschritte machen, beschließt er, selbst zu ermitteln. Er infiltriert eine radikale Neonazi-Gruppe, getarnt als Sympathisant, um den Täter zu finden. Dabei gerät er immer tiefer in ein Milieu aus Hass, Gewalt und Paranoia. Jonas (Simas Kuliesius), Bernardas (Vaslov Goom) und Deividas (Elvinas Juodkazis) sind Teil dieser Gruppe, und Andrius muss ihre Sprache sprechen, ihre Rituale mitmachen und dabei seine eigene Identität verleugnen. Die Frage ist: Wie weit kann er gehen, ohne sich selbst zu verlieren?
Was der Film für queere Zuschauer bedeutet
Romas Zabarauskas ist selbst ein litauischer Filmemacher, der mit seinen Arbeiten immer wieder queere Themen in einem Land sichtbar macht, in dem Homosexualität gesellschaftlich oft noch tabuisiert und politisch instrumentalisiert wird. "The Activist" ist kein feel-good Liebesfilm, sondern ein politischer Thriller, der die brutale Realität von Hassverbrechen ernst nimmt. Die Darstellung ist düster und ungeschönt, was einerseits mutig ist, andererseits aber auch emotional fordernd. Der Film zeigt queere Figuren nicht als Opfer, sondern als Handelnde, die zurückschlagen, auch wenn der Preis hoch ist.
Gleichzeitig stellt sich die Frage: Brauchen wir 2025 noch einen weiteren Film, in dem queere Menschen vor allem als Ziel von Gewalt gezeigt werden? Die Antwort hängt davon ab, wie ehrlich du es magst. Wer nach eskapistischer Romantik sucht, ist hier falsch. Wer sich aber mit der politischen Dimension queeren Lebens auseinandersetzen will, bekommt hier ein intensives, wenn auch hartes Stück Kino.
Darstellerische Leistung zwischen Spannung und Trauma
Robertas Petraitis trägt den Film auf seinen Schultern. Andrius muss eine Doppelidentität aufrechterhalten, und Petraitis spielt diese innere Zerrissenheit mit einer Mischung aus Entschlossenheit und kaum verhohlenem Ekel. Die Szenen, in denen er an rechtsextremen Ritualen teilnehmen muss, sind schwer auszuhalten, aber genau das ist der Punkt. Vaslov Goom als Bernardas und Simas Kuliesius als Jonas verkörpern die Neonazis nicht als Karikaturen, sondern als gefährlich charismatische Typen, was den Film noch beklemmender macht. Tekle Baroti und Redita Dominaitytė ergänzen das Ensemble in tragenden Rollen, wobei der Fokus klar auf Andrius' psychologischer Reise liegt.
Wo du ihn 2025 sehen kannst
Der offizielle Release ist für den 19. September 2025 angesetzt. Derzeit gibt es jedoch keine Bestätigung für einen regulären Kino- oder Streaming-Start in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Es ist möglich, dass der Film zunächst auf Festivals läuft oder später über Video-on-Demand verfügbar wird. Halte Ausschau nach Updates von Independent-Verleihern oder queeren Filmfestivals wie dem Queersicht in Bern oder dem Verzaubert in München, die solche Produktionen häufig ins Programm nehmen.
Ein wichtiger, aber kein leichter Film
"The Activist" ist ein Film, der dir nicht schmeichelt. Er ist düster, spannungsgeladen und politisch unbequem. Romas Zabarauskas liefert ein Werk, das die Gewalt gegen queere Menschen nicht nur beklagt, sondern in einen Thriller-Kontext setzt, der Fragen nach Rache, Gerechtigkeit und Identität aufwirft. Die schauspielerische Leistung von Robertas Petraitis ist beeindruckend, und die Story ist aktuell wie selten.
Aber sei gewarnt: Das ist kein Film für einen entspannten Abend. Es ist ein Film für Menschen, die sich mit der Realität auseinandersetzen wollen, dass queere Existenz in vielen Teilen Europas noch immer ein politischer Akt ist. Wer das aushält und Lust auf einen intelligenten, wenn auch harten Thriller hat, sollte sich "The Activist" vormerken. Alle anderen dürfen ohne schlechtes Gewissen auf etwas Leichteres warten.




