Was ist PrEP? - Alles, was du als queerer Jugendlicher wissen musst

PrEP schützt vor HIV - aber wie funktioniert das genau, wer bekommt sie, und was kostet sie in Österreich? Ein Guide ohne Tabus und ohne Arzt-Deutsch.

justboys-Redaktion

4 Min Lesezeit

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PrEP - drei Buchstaben, die in der schwulen Community ständig fallen. Aber was genau ist das? Wer braucht es? Und wie kommt man in Österreich dran? Gerade für junge queere Jungs kann das Thema verwirrend sein, weil es viele Halbwahrheiten und Stigma gibt. Hier bekommst du alle Infos - klar, ehrlich und ohne Tabus.

Was ist PrEP?

PrEP steht für Prä-Expositions-Prophylaxe. Klingt kompliziert, ist aber einfach: Es ist ein Medikament, das du einnimmst, BEVOR du möglicherweise mit HIV in Kontakt kommst. Es verhindert, dass sich das Virus in deinem Körper festsetzen kann - ähnlich wie eine Impfung, nur als Tablette.

Wenn PrEP korrekt eingenommen wird, schützt es zu über 99% vor einer HIV-Infektion. Das ist vergleichbar mit der Wirksamkeit der Pille als Verhütungsmittel. Der Wirkstoff heißt Emtricitabin/Tenofovir und wird unter verschiedenen Markennamen verkauft. In Österreich sind Generika deutlich günstiger als das Originalpräparat.

Für wen ist PrEP gedacht?

PrEP ist für Menschen, die ein erhöhtes HIV-Risiko haben. Das betrifft besonders Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) und dabei nicht immer Kondome verwenden. Auch für Menschen in serodiskordanten Beziehungen (ein Partner HIV-positiv, einer negativ) kann PrEP sinnvoll sein.

Wichtig: PrEP ist KEIN Zeichen dafür, dass du „unverantwortlich" oder „schlampig" bist. Es ist ein Zeichen dafür, dass du dich aktiv um deine Gesundheit kümmerst. Genauso wie Sonnencreme kein Zeichen dafür ist, dass du unverantwortlich in der Sonne liegst - sondern dafür, dass du dich schützt.

Wie funktioniert PrEP?

PrEP enthält zwei antiretrovirale Wirkstoffe, die verhindern, dass HIV sich in deinen Zellen vermehrt. Wenn du das Medikament regelmäßig nimmst, baut sich ein Schutzschild in deinem Körper auf. Solltest du dann mit HIV in Kontakt kommen, kann das Virus sich nicht festsetzen und wird vom Immunsystem eliminiert.

Damit PrEP voll wirksam ist, brauchst du einen konstanten Wirkstoffspiegel in deinem Körper. Bei täglicher Einnahme ist der volle Schutz nach etwa 7 Tagen aufgebaut. Deshalb ist es so wichtig, die Tabletten regelmäßig zu nehmen und nicht zu vergessen.

Tägliche PrEP vs. Anlassbezogene PrEP

Es gibt zwei Einnahmemodelle. Die tägliche PrEP bedeutet: jeden Tag eine Tablette, unabhängig davon, ob du Sex hast oder nicht. Das ist die einfachste Methode und bietet den zuverlässigsten Schutz.

Die anlassbezogene PrEP (auch „on demand" oder „Event-driven" genannt) funktioniert nach einem bestimmten Schema: 2 Tabletten 2-24 Stunden vor dem Sex, dann jeweils 1 Tablette 24 und 48 Stunden danach. Dieses Modell kann für Leute sinnvoll sein, die nur gelegentlich Sex haben. Welches Modell für dich passt, besprichst du am besten mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.

Wie bekomme ich PrEP in Österreich?

In Österreich bekommst du PrEP über spezialisierte Ärzt*innen oder HIV-Schwerpunktpraxen. Der erste Schritt ist ein Beratungsgespräch, bei dem geklärt wird, ob PrEP für dich sinnvoll ist. Dazu gehört ein HIV-Test (du musst HIV-negativ sein), ein Nierenfunktionstest (das Medikament kann die Nieren belasten) und ein Test auf andere sexuell übertragbare Infektionen.

Wichtige Anlaufstellen sind die Aids Hilfe Wien, Aids Hilfe Oberösterreich, Aids Hilfe Salzburg und Aids Hilfe Steiermark. Dort bekommst du eine umfassende Beratung und bei Bedarf ein Rezept. Auch viele Hausärzt*innen können PrEP verschreiben, wenn sie sich mit dem Thema auskennen.

Was kostet PrEP?

PrEP-Generika kosten in Österreich etwa 40-70 Euro pro Monat. Das Originalpräparat ist deutlich teurer, aber die Generika sind genauso wirksam. Manche Krankenkassen übernehmen die Kosten unter bestimmten Voraussetzungen - erkundige dich bei deiner Aids Hilfe, wie der aktuelle Stand ist.

Verglichen mit den Kosten einer lebenslangen HIV-Behandlung (mehrere tausend Euro pro Monat) ist PrEP extrem günstig. Und verglichen mit dem emotionalen Preis einer HIV-Diagnose - unbezahlbar. Wenn die Kosten für dich ein Problem sind, sprich mit deiner Aids Hilfe über Unterstützungsmöglichkeiten.

PrEP schützt nicht vor allem

Das ist der wichtigste Punkt, den viele vergessen: PrEP schützt NUR vor HIV. Nicht vor Syphilis, Gonorrhoe (Tripper), Chlamydien, HPV oder anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Deshalb sind regelmäßige STI-Tests alle 3 Monate fester Bestandteil des PrEP-Programms.

Kondome bleiben der einzige Schutz, der gegen die meisten STIs hilft. PrEP und Kondome sind kein Entweder-Oder - sie ergänzen sich. Viele PrEP-Nutzer verwenden beides, je nach Situation. Die Entscheidung liegt bei dir, aber sie sollte informiert sein.

Regelmäßige Check-ups

Wenn du PrEP nimmst, gehst du alle drei Monate zum Check-up: HIV-Test, STI-Screening, Nierenwerte, allgemeine Gesundheit. Das klingt nach viel Aufwand, aber es hat einen riesigen Vorteil: Du hast einen regelmäßigen, umfassenden Überblick über deine sexuelle Gesundheit.

Viele PrEP-Nutzer berichten, dass sie sich dadurch insgesamt gesünder und informierter fühlen. STIs werden früh erkannt und behandelt, bevor sie Symptome verursachen oder weiterverbreitet werden. Ironischerweise ist die sexuelle Gesundheitsversorgung von PrEP-Nutzern oft besser als die von Menschen, die keine PrEP nehmen - einfach weil die regelmäßigen Tests Probleme frühzeitig aufdecken.

Kein Stigma

PrEP zu nehmen ist eine verantwortungsvolle, informierte Gesundheitsentscheidung. Punkt. Lass dir von niemandem einreden, dass es „schlampig" ist oder bedeutet, dass du „mit jedem schläfst". Menschen, die PrEP nehmen, kümmern sich aktiv um ihre Gesundheit - das verdient Respekt, nicht Verurteilung.

In der schwulen Community gibt es leider immer noch Stigma rund um PrEP. Manche sehen es als Freifahrtschein für ungeschützten Sex, andere als Zeichen von Promiskuität. Beides ist Unsinn. PrEP ist ein medizinisches Werkzeug, nicht anders als Impfungen oder die Pille. Deine Gesundheit, deine Entscheidung - und niemand hat das Recht, dich dafür zu verurteilen.

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