Eine queere Rom-Com, die sich traut, zwei Welten aufeinanderprallen zu lassen: Naveen (Karan Soni) will seinen Verlobten Jay (Jonathan Groff) endlich seiner indischen Familie vorstellen. Die Herausforderung? Jay ist weiß, Waise, Künstler - und die Familie Gavaskar hat sehr genaue Vorstellungen davon, wie eine Hochzeit auszusehen hat. Was folgt, ist ein warmherziges Chaos zwischen Tradition, Akzeptanz und der Frage, wessen Hochzeit das hier eigentlich ist.
Die Geschichte: Zwei Verlobte, eine Familie, tausend Erwartungen
Naveen und Jay sind verlobt und bereit für den nächsten Schritt. Doch bevor die beiden heiraten können, steht ein entscheidender Test bevor: Naveen muss Jay seiner traditionellen indischen Familie vorstellen. Seine Mutter Megha, sein Vater Archit und seine Schwester Arundhathi reagieren - nennen wir es mal - gemischt. Nicht nur, dass Jay männlich ist, er ist auch noch ein weißer Künstler ohne Familie. Die Gavaskars müssen sich nicht nur mit der Beziehung ihres Sohnes arrangieren, sondern werden schnell in die Planung einer indischen Traumhochzeit hineingezogen, die alle Beteiligten an ihre Grenzen bringt.
Was der Film für queere Zuschauer leistet
Regisseur Roshan Sethi (bekannt als Co-Creator der Serie "The Resident") liefert hier eine Rom-Com, die zwei oft getrennte Erzählstränge zusammenbringt: die queere Coming-out- und Akzeptanz-Geschichte und die kulturelle Identitätsfrage zwischen Generationen. Der Film vermeidet es, Jay als den "Retter" oder Naveen als das "Opfer" seiner Kultur zu inszenieren. Stattdessen zeigt er eine Familie, die lernen muss - und das nicht immer elegant. Das fühlt sich ehrlicher an als viele Hochglanz-Queerstorys, in denen Eltern nach fünf Minuten weinend um Vergebung bitten.
Besonders stark: Der Film nimmt die indische Hochzeitstradition ernst, ohne sie zu exotisieren oder lächerlich zu machen. Naveen will diese Rituale, Jay lernt sie zu schätzen - und die Familie muss akzeptieren, dass diese Hochzeit eben nicht dem Bilderbuch entspricht, das sie im Kopf hatten. Das ist Repräsentation, die nicht nur "gay" sagt, sondern auch "südasiatisch, Diaspora, zweite Generation" mitdenkt.
Cast: Groff und Soni als ungleiches, aber glaubwürdiges Paar
Jonathan Groff ("Looking", "Mindhunter", Broadway-Star) spielt Jay mit seiner typischen Mischung aus Verletzlichkeit und Charme. Er ist der Außenseiter, der dazugehören will, ohne sich zu verbiegen - eine Gratwanderung, die Groff gut gelingt. Karan Soni (bekannt aus "Deadpool", "Miracle Workers") gibt Naveen eine ruhigere, aber nicht weniger komplexe Präsenz: ein Mann, der seine Familie liebt, aber nicht mehr ihr Script spielen will.
Sunita Mani ("GLOW") als Naveens Schwester Arundhathi und Zarna Garg (Stand-up-Comedian, die hier ihre Filmdebüt gibt) als Mutter Megha bringen Wärme und Witz in die Familiendynamik. Harish Patel, der zuletzt in "Eternals" zu sehen war, spielt den Vater Archit - oft schweigend, aber mit viel Gewicht. Diese Familie fühlt sich echt an, nicht wie eine Sitcom-Kulisse.
Wo du den Film 2026 sehen kannst
Der offizielle US-Release war im April 2025, derzeit gibt es aber noch keinen bestätigten Kino- oder Streaming-Start in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Das ist bei queeren Indies leider oft der Fall - viele landen erst Monate später auf internationalen Plattformen oder bei Festivals wie dem Pink Apple in Zürich oder dem Lesbian & Gay City Festival in Bremen. Wenn du nicht warten willst: Die US-Version könnte über VPN und internationale Streaming-Dienste verfügbar sein, aber das liegt außerhalb der regulären DACH-Verfügbarkeit. Halte Ausschau nach Ankündigungen queerer Filmfestivals im deutschsprachigen Raum - solche Filme finden oft über diesen Weg ihr Publikum.
Lohnt sich das Warten?
Ja, wenn du Lust auf eine queere Rom-Com hast, die mehr will als nur süß sein. "A Nice Indian Boy" ist keine Revolution, aber ein solider, warmherziger Film, der zwei oft getrennte Welten zusammenbringt: queere Liebe und kulturelle Tradition. Er ist nicht perfekt - manche Konflikte lösen sich etwas zu schnell, und die Komödie bleibt stellenweise zahm. Aber er traut sich, eine queere Hochzeit zu zeigen, die nicht nur weiß, nicht nur urban-hip, sondern auch familiär und kulturell verankert ist. Für südasiatische queere Zuschauer dürfte das ein seltener Moment der Sichtbarkeit sein. Für alle anderen: eine charmante Erinnerung daran, dass Liebe immer auch Verhandlungssache ist - mit dem Partner, mit der Familie, mit sich selbst.
Der TMDb-Score von 7,2 bei 83 Stimmen deutet darauf hin, dass das Publikum den Film mochte, ohne ihn zu vergöttern. Das passt: "A Nice Indian Boy" ist kein Meisterwerk, aber ein ehrlicher, liebevoller Film, der sich lohnt, wenn du ihn in die Finger bekommst.




