My Policeman (2022) - Wenn Harry Styles nicht genug ist

Ein Polizist, ein Museumskurator und eine Ehefrau im Brighton der 50er-Jahre: Klingt nach Drama, ist aber zu zahm geraten. Trotz David Dawson als Lichtblick.

@solaris

5 Min Lesezeit

My Policeman (2022) - Wenn Harry Styles nicht genug ist - Coverbild

Bild © TMDb / Filmverleih

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Harry Styles in einem queeren Periodendrama über verbotene Liebe im England der 50er-Jahre? Auf dem Papier klingt das nach einem sicheren Treffer. In der Realität liefert "My Policeman" aber vor allem eins: viel verschenktes Potenzial. Der Film erhielt bei Metacritic einen Durchschnittswert von 50 von 100 Punkten, was auf "gemischte oder durchschnittliche Kritiken" hindeutet. Und ja, genau so fühlt sich das Ganze auch an.

Drei Menschen, eine unmögliche Konstellation

Brighton, Ende der 50er-Jahre: Der Polizist Tom (Harry Styles) verliebt sich Hals über Kopf in den kultivierten Museumskurator Patrick (David Dawson). Doch Homosexualität ist zu dieser Zeit in England illegal und wird strafrechtlich verfolgt. Um nicht aufzufallen, heiratet Tom die Lehrerin Marion (Emma Corrin), die sich unsterblich in ihn verliebt hat. Was folgt, ist eine jahrelange Dreiecksbeziehung, in der Patrick heimlich Toms Liebhaber bleibt, während Marion mehr und mehr ahnt, dass ihr Ehemann sie nie wirklich lieben wird. Jahrzehnte später, in den 90ern, holt die Vergangenheit alle drei ein, als der nach einem Schlaganfall pflegebedürftige Patrick bei Marion und Tom einzieht.

Eine Geschichte aus Marions Perspektive, nicht aus queerer Sicht

Hier liegt schon das erste Problem: Die Entscheidung, die Geschichte zweier schwuler Männer aus der Perspektive einer heterosexuellen, cisgeschlechtlichen und letztlich homophoben weißen Frau zu erzählen, verweigert uns das, was ein reichhaltiges psychologisches Porträt zweier Liebender hätte sein können, die im Konflikt mit der Gesellschaft stehen. Marion wird zur zentralen Figur, ihre Eifersucht und ihr Schmerz dominieren die Erzählung. Dass sie später incredible trauma verursacht, wird zwar gezeigt, aber die Gewichtung bleibt seltsam unausgewogen. Kritiker argumentieren, dass "My Policeman" eine Geschichte ist, geschrieben von einer Frau, die die Tragödie schwuler Romantik ausschlachtet und im Grunde eine Art "Trauma-Porno" kreiert.

Hinzu kommt, dass Harry Styles in Interviews sagte, der Film sei "nicht so 'Das ist eine schwule Geschichte über diese Typen, die schwul sind.' Es geht um Liebe und um verschwendete Zeit". Diese Aussage löste berechtigte Kritik aus: Warum muss eine queere Geschichte universalisiert werden, um ernst genommen zu werden? Styles verteidigte die Intimität des Films, doch es fühlte sich fast so an, als würde er andere queere Medien dafür kritisieren, sich zu sehr auf "eine schwule Geschichte über diese Typen, die schwul sind" zu konzentrieren oder auf bedeutungslosen Sex ohne Emotion. Das hinterlässt einen bitteren Beigeschmack.

David Dawson rettet, was zu retten ist

Kommen wir zum Cast: David Dawson liefert eine wirklich offenbarende Performance als Patrick ab. Dawson hat eine angeborene Fähigkeit, deine Aufmerksamkeit zu fesseln, wann immer er auf der Leinwand ist, und in den Szenen, in denen "My Policeman" sich am stärksten auf ihn konzentriert, kommt der Film der Vermittlung der romantischen Tragödie seiner Geschichte am nächsten. Er spielt Patrick mit einer Mischung aus Verletzlichkeit, Sehnsucht und trotzigem Stolz, die den Film erdet. Emma Corrin (bekannt aus "The Crown") ist solide, wenn auch mit einem undankbaren Charakter belastet.

Und Harry Styles? Er zeigte viel Potenzial in seiner kleinen Rolle in Dunkirk und ist hier überhaupt nicht schrecklich, aber ihm fehlt jegliche Art von Schwerkraft oder Tiefe, die für diese Rolle nötig wäre. Er ist ein Novize, und das merkt man. Ein Kritiker schrieb, Styles sei "nicht schrecklich, aber er hinterlässt ein Loch im Film, wo eine mehrdimensionalere Figur mit einem Innenleben am dringendsten gebraucht wird". Tom soll ein Mann sein, der zwischen Pflicht, Begehren und Selbsthass zerrissen ist, doch bei Styles bleibt das meiste an der Oberfläche.

Interessanterweise funktioniert die ältere Generation besser: Gina McKee, Linus Roache und Rupert Everett verleihen ihren Rollen eine Tiefe und Bitterkeit, die den jüngeren Versionen oft fehlt. Es ist problematisch, dass die ältere Besetzung aus etablierten Charakterdarstellern ihren jüngeren Gegenstücken nicht ähnelt. Es dauerte eine halbe Stunde, bis klar wurde, dass Linus Roache die ältere Version von Styles spielen soll, nicht der bekanntere Rupert Everett.

Wo du es sehen kannst

"My Policeman" lief im Oktober 2022 kurz im Kino und ist seitdem als Amazon-Original bei Prime Video verfügbar. In Deutschland streamst du ihn über Amazon Prime Video (auch mit Werbung) und Magenta TV+. In Österreich gibt's ihn bei Amazon Prime Video, in der Schweiz zusätzlich bei blue TV. Der Film ist also leicht zugänglich, wenn du ihm eine Chance geben willst.

Schöne Bilder, aber zu wenig Substanz

Ein Kritiker brachte es auf den Punkt: "Tragische Geschichten sind es wert, erzählt zu werden, aber 'My Policeman' ist letztlich zu vornehm für diese Aufgabe". Der Film sieht wunderschön aus, Brighton und die Küstenlandschaften sind atmosphärisch in Szene gesetzt, und die 50er-Jahre-Ästhetik stimmt. Doch mit seinem Thema Homophobie hätte "My Policeman" viel zu sagen haben können und sollen. Leider ist der Film am Ende zu oberflächlich. Es gibt wenig Diskussion über die wichtigen Themen, die in "My Policeman" dargestellt werden, und die manchmal langsame, mäandernde Handlung schreit nach mehr Entwicklung in ihrem sozialen Kommentar.

Die duale Zeitstruktur, die zwischen den 50ern und den 90ern hin- und herspringt, verkompliziert das Melodrama mit ungeschickt platzierten Übergängen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Statt Spannung zu erzeugen, wirkt sie oft konfus und unterbricht den emotionalen Flow.

Ist "My Policeman" ein kompletter Reinfall? Nein. Für David Dawson allein lohnt es sich vielleicht. Und wenn du auf visuell schöne, melancholische Periodendramen stehst, findest du hier durchaus etwas. Aber wenn du nach einem queeren Film suchst, der wirklich unter die Haut geht und die psychologische Zerrissenheit seiner Charaktere ernst nimmt, wirst du enttäuscht sein. "My Policeman" bleibt zu zahm, zu distanziert, zu sehr darauf bedacht, niemandem wehzutun. Und genau das ist das Problem: Ein Film über ein so schmerzhaftes Thema sollte wehtun dürfen.

Bilder zum Film

Pressefotos und Filmstills (Bild © TMDb / Filmverleih). Genutzt im Sinne kritischer Berichterstattung gemäß §51 UrhG.

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Kommentare(1)

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  1. justboys-Nutzer

    Wusste gar nicht das harry styles gay ist.??