Ein Teil von dir (A Part Of You) - Wenn Trauer dich zu jemand anderem macht

Edvin Ryding aus Young Royals in einem emotionalen schwedischen Drama über Verlust, Identität und den schweren Weg zurück zu sich selbst. Auf Netflix.

Redaktion

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Ein Teil von dir (A Part Of You) - Wenn Trauer dich zu jemand anderem macht - Coverbild

Bild © TMDb / Filmverleih

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Schwestern sind manchmal die schlimmsten Konkurrentinnen. Und wenn eine von ihnen stirbt, kann die Trauer so abgründig werden, dass du plötzlich versuchst, sie zu werden. Genau das passiert Agnes in diesem schwedischen Netflix-Drama, das vor allem durch seinen Hauptdarsteller Edvin Ryding (ja, der aus Young Royals) Aufmerksamkeit bekommt. Aber hält der Film, was der Cast verspricht?

Zwischen Schatten und Selbstverlust

Die 17-jährige Agnes (Felicia Truedsson) hat ihr ganzes Leben im Schatten ihrer älteren Schwester Julia (Zara Larsson) verbracht. Julia ist cool, beliebt, der Mittelpunkt jeder Party. Und sie ist mit Noel (Edvin Ryding) zusammen, auf den auch Agnes heimlich ein Auge geworfen hat. Als Julia bei einem Autounfall stirbt, bricht Agnes' Welt zusammen. Doch statt zu trauern, beginnt sie auf verstörende Weise, Julias Leben zu kopieren: Sie trägt ihre Klamotten, schminkt sich wie sie, geht auf ihre Partys. Und kommt Noel gefährlich nah. Der Film begleitet Agnes durch einen Trauerprozess, der alles andere als gesund ist, und stellt die Frage: Wer bist du eigentlich, wenn du aufhörst, jemand anderen nachzuahmen?

Ehrliche Trauer statt Teenie-Kitsch

Das Wichtigste vorweg: Ein Teil von dir ist kein queerer Film. Edvin Ryding spielt hier einen heterosexuellen Charakter, der mit dem Tod seiner Freundin und den verwirrenden Gefühlen gegenüber deren Schwester kämpft. Wer ihn wegen Young Royals liebt, wird hier eine ganz andere Seite von ihm sehen: ruhiger, zurückhaltender, fast schon passiv. Die queere Relevanz liegt also vor allem im Casting, nicht in der Story.

Was der Film aber gut macht, ist seine Herangehensweise an Trauer. Im Gegensatz zu vielen Netflix-Produktionen wie Tote Mädchen lügen nicht oder Élite, die Drama mit großer Geste inszenieren, bleibt Ein Teil von dir erstaunlich leise und nuanciert. Regisseur Sigge Eklund (in seinem Langfilmdebüt) setzt auf Stimmung, schöne Bilder der schwedischen Natur und ein beeindruckendes Schauspielensemble. Ida Engvoll als Agnes' überforderte Mutter liefert eine der stärksten Performances ab. Und Felicia Truedsson trägt den Film mit einer Intensität, die zwischen überzeugend und manchmal etwas übertrieben schwankt.

Trotzdem hat der Film Schwächen. Die Erzählung dümpelt stellenweise vor sich hin, manche Szenen wiederholen sich, und die Auflösung wirkt etwas zu ordentlich für ein so chaotisches Thema. Einige schwedische Kritiker bemängelten zudem, dass der Film in "amerikanische Klischees" abdriftet: Schreien, Weinen, Alkohol als Betäubungsmittel. Das stimmt teilweise, aber der Film hat trotzdem mehr Tiefe als die durchschnittliche Netflix-Teenie-Produktion.

Der Cast gibt alles (auch wenn das Drehbuch nicht immer mithält)

Felicia Truedsson spielt Agnes mit einer Rohheit, die manchmal schmerzhaft echt wirkt. Edvin Ryding ist solide, aber seine Rolle ist eher reaktiv, er wird mehr benutzt als dass er treibt. Zara Larsson (ja, die Pop-Sängerin) überrascht positiv als Julia, auch wenn sie viel zu früh aus dem Film verschwindet. Das Problem: Die Nebenfiguren bleiben blass. Wir erfahren kaum etwas über Noel, über Julias Freunde, über die Dynamik, die vor dem Unfall herrschte. Der Film konzentriert sich fast obsessiv auf Agnes, was einerseits mutig ist, andererseits wichtige emotionale Kontexte vermissen lässt.

Wo du es sehen kannst

Der Film läuft seit Mai 2024 exklusiv auf Netflix in Deutschland, Österreich und der Schweiz (auch im günstigeren Standard-Abo mit Werbung). Ein Kino-Release gab es nicht.

Für wen lohnt sich der Film wirklich?

Wenn du Edvin Ryding aus Young Royals liebst und ihn in einer anderen Rolle sehen willst: ja, schau ihn dir an. Aber erwarte keine queere Story. Wenn du auf leise, atmosphärische Dramen stehst, die Trauer ernst nehmen und nicht mit großer Melodramatik arbeiten, ist Ein Teil von dir solide. Der Film ist kein Meisterwerk, aber er ist auch kein seichter Netflix-Füller. Er versucht ehrlich zu sein, scheitert dabei manchmal, aber bleibt im Gedächtnis.

Für unsere Community ist er allerdings nur bedingt relevant. Wer explizit nach queerer Repräsentation sucht, wird enttäuscht sein. Wer aber ein Coming-of-Age-Drama über Identität, Verlust und den harten Weg zurück zu sich selbst sehen will (mit einem bekannten Gesicht aus der queeren Serienwelt), bekommt einen Film, der mehr kann, als der glatte Netflix-Look vermuten lässt. Kein Must-Watch, aber durchaus okay.

Bilder zum Film

Pressefotos und Filmstills (Bild © TMDb / Filmverleih). Genutzt im Sinne kritischer Berichterstattung gemäß §51 UrhG.

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