Eismayer (2022) - Wenn der härteste Ausbilder sein Herz entdeckt

Ein schwuler Vizeleutnant beim österreichischen Bundesheer verliebt sich in einen offen schwulen Rekruten. Drama über Männlichkeit, Militär und den Mut, sich selbst zu sein.

Redaktion

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Eismayer (2022) - Wenn der härteste Ausbilder sein Herz entdeckt - Coverbild

Bild © TMDb / Filmverleih

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Ein Film über einen schwulen Soldaten, der seinen Rekruten liebt? Klingt nach Schema F. Ist es aber nicht. Eismayer ist ein österreichisches Drama, das auf einer wahren Geschichte basiert und zeigt, wie toxische Männlichkeit und verinnerlichte Homophobie selbst die härtesten Kerle zerstören können. Regisseur David Wagner erzählt die Geschichte mit Wucht, Ehrlichkeit und ohne Kitsch.

Ein Drill-Sergeant mit dunklem Geheimnis

Vizeleutnant Charles Eismayer (Gerhard Liebmann) ist der Alptraum jedes österreichischen Rekruten. Er brüllt, erniedrigt, treibt seine Truppe bis an die Grenzen. Seine Ehe mit Christina (Julia Koschitz) wirkt funktional, aber leer. Was niemand wissen darf: Eismayer ist schwul. Für ihn ist Homosexualität unvereinbar mit seinem Bild eines echten Soldaten. Doch dann trifft der hübsche, offen schwule Rekrut Mario Falak (Luka Dimic) in seiner Einheit ein. Und plötzlich gerät Eismayers streng kontrolliertes Leben aus den Fugen.

Ehrlich, rau und erschreckend nah an der Realität

Was Eismayer von vielen anderen queeren Coming-of-Age-Geschichten unterscheidet: Der Film romantisiert nichts. Eismayer ist kein sympathischer Held, der nur auf den richtigen Moment wartet. Er ist ein Mann, der sich selbst hasst, der seine Sexualität als Schwäche empfindet und der jahrelang seine Frau und sich selbst belügt. Mario hingegen ist selbstbewusst, offen und wird dafür von der Truppe gemobbt, während Eismayer wegschaut oder es sogar duldet. Die Liebesgeschichte entwickelt sich langsam, schmerzhaft und ist geprägt von Machtgefälle und Unsicherheit.

Regisseur David Wagner hat sich intensiv mit der realen Vorlage beschäftigt. Der echte Charles Eismayer war tatsächlich Ausbilder beim österreichischen Bundesheer und hat sich erst spät geoutet. Wagner inszeniert das Militär nicht als homophobe Hölle, sondern als Ort, an dem Männlichkeit performt werden muss und jede Abweichung bestraft wird. Das macht den Film so stark: Er zeigt, wie Strukturen Menschen brechen, selbst wenn niemand explizit böse ist.

Liebmann und Dimic tragen den Film mit Wucht

Gerhard Liebmann spielt Eismayer mit einer Intensität, die unter die Haut geht. Du siehst ihm an, wie sehr er sich selbst verachtet, wie verzweifelt er versucht, die Kontrolle zu behalten. Luka Dimic gibt Mario eine Verletzlichkeit, die nie ins Klischee kippt. Er ist kein naives Opfer, sondern ein junger Mann, der genau weiß, was er riskiert, wenn er sich auf Eismayer einlässt. Die Chemie zwischen den beiden ist spürbar, aber nie kitschig. Julia Koschitz hat als Christina leider zu wenig Screentime, zeigt aber in wenigen Szenen, wie sehr auch sie unter der Lüge leidet.

Wo du es sehen kannst

In Deutschland kannst du Eismayer bei Apple TV und Amazon Video leihen oder kaufen. In Österreich läuft der Film zusätzlich in der Streaming-Flat von Canal+ und ist auch bei VOD Club verfügbar. In der Schweiz ist er bei Apple TV zum Leihen oder Kaufen zu haben. Der Film lief 2022 in ausgewählten Kinos und hat dort ein breites Publikum erreicht.

Lohnt sich das? Ja, aber erwarte keine leichte Kost

Eismayer ist kein Feel-Good-Movie. Er ist hart, stellenweise unbequem und zeigt queeres Leben nicht als buntes Fest, sondern als Kampf gegen innere und äußere Dämonen. Genau das macht ihn so wichtig. Der Film zeigt, wie toxische Männlichkeit nicht nur anderen schadet, sondern auch denjenigen zerstört, die sie verkörpern müssen. Wenn du Lust auf ein ehrliches, intensives Drama hast, das die Realität vieler schwuler Männer in konservativen Strukturen abbildet, dann schau ihn dir an.

Für alle, die auf Happyends und romantische Gesten hoffen: Der Film bietet beides nur bedingt. Aber er bietet etwas viel Wertvolleres: Eine Geschichte, die nachhallt und zum Nachdenken zwingt. Und das ist mehr, als die meisten queeren Filme heute leisten.

Bilder zum Film

Pressefotos und Filmstills (Bild © TMDb / Filmverleih). Genutzt im Sinne kritischer Berichterstattung gemäß §51 UrhG.

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