Sexualität im Wandel: Entdeckungsreisen unter Jungs

Ein entspannter Abend mit dem besten Kumpel und plötzlich wird es intim. Sexuelle Experimente unter Jungs gehören in der Pubertät für viele zur völlig normalen Entdeckungsreise des eigenen Körpers dazu. Was das für deine Orientierung bedeutet und warum reine Heterosexualität laut Wissenschaft oft nur ein Mythos ist, erfährst du hier.

Redaktion

4 Min Lesezeit

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Egal, welches Label du dir gibst: Sich mit anderen Kumpels selbst zu befriedigen, ist für einen großen Teil der Jungs ein völlig normaler Begleiter der Pubertät. Hin und wieder überschreitet die Neugier jedoch die Grenzen des reinen Zuschauens, sodass zwei Typen plötzlich richtig intim werden. Dabei ist es vollkommen unwichtig, ob sich die beiden als hetero, schwul oder bisexuell definieren.

Nehmen wir zum Beispiel Felix. Am Sonntag saß er ziemlich durcheinander auf seinem Bett. Den Samstag hatte er komplett mit seinem besten Bro Tobias verbracht. Erst entspanntes Shoppen in der City, danach eine coole Runde Billard. Zum krönenden Abschluss ging es zu Tobias nach Hause zum gemeinsamen Kochen und für eine ausgiebige Serien-Nacht auf der Couch. Jetzt war Felix allerdings froh über etwas Ruhe. Er hatte in der Nacht nämlich kaum ein Auge zugetan.

Aus dem entspannten Filmmarathon bis in die frühen Morgenstunden wurde schnell mehr. Aus einem anfänglichen gegenseitigen Runterholen entwickelte sich tatsächlicher Sex. Der überraschende Haken an der Sache ist jedoch die Tatsache, dass Tobias eigentlich auf Mädchen steht.

Die wilde Phase der körperlichen Erforschung

Diese Story der beiden Freunde passiert öfter, als man denkt. Zahlreiche homosexuelle Jugendliche erleben genau solche Momente und bleiben oft mit einem riesigen Fragezeichen zurück. Wieso schläft ein vermeintlich heterosexueller Freund mit mir? Warum genießt er das, wenn er doch eigentlich nur auf Mädels steht? Versteckt er vielleicht seine wahre Orientierung?

Gerade während der Pubertät häufen sich solche Vorfälle enorm. Wenn der Körper reift und die Hormone verrücktspielen, nutzen unzählige Jungs den Kontakt zu Gleichaltrigen des eigenen Geschlechts für ihre ersten sexuellen Gehversuche. Es ist ein sicherer Raum, um den eigenen Körper und dessen Reaktionen kennenzulernen.

Irgendwann ist diese experimentelle Phase für die meisten allerdings abgeschlossen. Forscher gehen oft davon aus, dass unsere Sexualität bereits bei der Geburt festgelegt ist und sich nicht erst später formt. Das wirft die berechtigte Frage auf, wieso die Freude am gleichgeschlechtlichen Sex bei so vielen Typen plötzlich verfliegt. Oder stimmt das am Ende gar nicht?

Verfliegt die Lust bei Heteros?

Rein körperlich betrachtet macht es für die Nervenenden kaum einen Unterschied, ob die Stimulation von einer weiblichen oder männlichen Person ausgeht. Die physischen Empfindungen beim Oralverkehr oder anderen Praktiken sind sehr ähnlich, unabhängig davon, wer genau den aktiven oder passiven Part übernimmt.

Der Grund für die spätere Distanzierung vom Sex unter Typen muss folglich woanders liegen. Sobald ein heterosexueller Junge anfängt, feste Beziehungen mit Frauen einzugehen, erfüllt sich sein Verlangen auf einer anderen Ebene. Es gibt dann oft keinen echten Antrieb mehr für sexuelle Abenteuer mit dem gleichen Geschlecht. Er bekommt beim anderen Geschlecht schließlich beides auf einmal geboten. Er erlebt pure körperliche Befriedigung und gleichzeitig tiefe romantische Gefühle.

Wie erklärt sich dann aber das Verhalten von dauersinglen Hetero-Männern ohne regelmäßigen Kontakt zu Frauen? Diese Jungs suchen sich trotzdem keine männlichen Sexpartner. Die Ablehnung solcher Praktiken scheint tief in unserer Gesellschaft und Psyche verankert zu sein.

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Der Druck der Heteronormativität

Sogar sehr aufgeschlossene Männer ziehen oft eine unsichtbare Grenze. Sie akzeptieren Homosexualität bei ihren Mitmenschen völlig problemlos, würden aber niemals selbst intime Dinge ausprobieren, die als klassisch schwul gelten. Tief in vielen Köpfen spukt unbewusst noch immer die veraltete Idee herum, dass solche Erfahrungen tabu sind. Schubladendenken blockiert hier massiv. Wer sich das Label "hetero" aufklebt, möchte dieser strengen Rolle unbewusst um jeden Preis entsprechen.

Daraus folgt fast automatisch der Ausschluss von Sex mit anderen Typen. Der Gedanke, dass so etwas reinen körperlichen Spaß bringen könnte, wird komplett ausgeblendet, nur weil die romantische Liebe fehlt. Ein gutes Beispiel ist die anale Stimulation. Viele verknüpfen diese Praktik fälschlicherweise exklusiv mit schwulem Sex. Deshalb weigern sich extrem viele Jungs strikt, diesen eigentlich sehr sensiblen Bereich ihres eigenen Körpers zu erkunden.

Die fließenden Grenzen der Bisexualität

Schon im Jahr 1948 zeigte der berühmte Kinsey-Report spannende Fakten auf. Rund 90 Prozent aller Männer weisen im Laufe ihres Lebens gewisse bisexuelle Verhaltensweisen auf. Die Einordnung auf dieser Skala hängt nur davon ab, wie häufig jemand homoerotische Gedanken hat oder tatsächlich mit Männern schläft.

Menschen, die zu 100 Prozent nur hetero oder nur schwul sind, bilden laut diesen Forschungen die absolute Ausnahme. Der Drang nach Intimität mit demselben Geschlecht schlummert offensichtlich in deutlich mehr Jungs, als die Gesellschaft offen zugibt. Bei manchen ist dieses Verlangen vermutlich einfach nur so schwach, dass sie ihm nie nachgehen.

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