Drunken Noodles (2026) - Sommer, Sex und magischer Realismus

Lucio Castros sinnlicher Film über schwule Begegnungen in New York feierte in Cannes Premiere und kommt jetzt in die Kinos. Ein Sommertagtraum voller Begehren, Kunst und surrealer Momente - aber nicht für alle.

Redaktion

4 Min Lesezeit

Drunken Noodles (2026) - Sommer, Sex und magischer Realismus - Coverbild

Bild © TMDb / Filmverleih · Discovery: queerfilmnacht.de

Trailer über YouTube - beim Abspielen werden Daten an Google übertragen.

Nach seinem gefeierten Debüt "End of the Century" legt der argentinische Regisseur Lucio Castro mit "Drunken Noodles" nach. Der Film hatte im Mai 2025 seine Weltpremiere in der ACID-Sektion der Filmfestspiele von Cannes und läuft ab Ende April 2026 endlich auch bei uns im Kino. Was erwartet dich? Ein unkonventioneller queerer Film über flüchtige Verbindungen, der die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen lässt - und dabei nicht jedem gefallen wird.

Die Geschichte: Adnans Sommer zwischen Kunst, Begehren und Vergangenheit

Adnan (Laith Khalifeh), ein junger Kunststudent, verbringt den Sommer in New York, während er die Wohnung seines Onkels in Brooklyn hütet. Er jobbt in einer Galerie in Chinatown, wo die expliziten, sexuell aufgeladenen Stickereien des älteren Künstlers Sal (Ezriel Kornel) ausgestellt werden - mit dem Adnan vor einem Jahr eine zärtliche Affäre hatte. Im Hier und Jetzt erlebt er nächtliche Begegnungen mit dem jungen Essenskurier Yariel (Joel Isaac), während das Echo seiner großen Liebe zu dem Schriftsteller Iggie (Matthew Risch) durch die Erzählung hallt.

Castro erzählt die Geschichte nicht linear, sondern mit Zeitsprüngen und einer freieren, losgelösteren Struktur. Der Film ist in vier sensorische, körperliche Segmente unterteilt, die zwischen Stadt und Wald, zwischen Hook-ups und Sehnsucht, zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her springen. Das kann irritierend sein, ergibt aber am Ende ein Gesamtbild schwuler Erfahrungen, das mehr Stimmung als klassische Erzählung ist.

Was der Film für queere Zuschauer leistet (und wo er spaltet)

Die Sexszenen in "Drunken Noodles" sind bemerkenswert, weil sie frei von Drama, Scham oder Zögern sind. Castro erkundet queeres Leben mit Feinfühligkeit und Ehrlichkeit, ohne sein Blickfeld zu bewerten - nur mit Empathie und der Komplexität schwuler Beziehungen. Das ist erfrischend, aber auch ein zweischneidiges Schwert: Manche Kritiker feiern genau diese Leichtigkeit, andere bemängeln, dass die vielen sexuellen Begegnungen ohne tiefere emotionale Verbindung bleiben. Eine Letterboxd-Rezension kritisiert den Film als "emotional unreif" und wirft ihm vor, nur einen distanzierten Mann zu zeigen, der viele sexuelle Kontakte hat, ohne wirklich Nähe herzustellen.

Castro selbst beschreibt schwules Cruising als "zutiefst poetischen Akt", der immer stattfindet und gleichzeitig nie geschehen ist, weil er außer Sichtweite bleibt. Der Film fängt genau diese Spannung ein - zwischen Fantasie und Realität, zwischen Begehren und Einsamkeit. Es gibt surrealistische Momente: eine erotische Begegnung mit einem Reh im Wald, ein Doppelgänger des Freundes mit mehr sexuellem Appetit. Das ist nicht für Zuschauer, die eine klassische Romanze erwarten.

Wichtig zu wissen: Der Film ist sexuell sehr explizit. Wer mit offenen, unverklemmten Darstellungen schwuler Sexualität und männlicher Nacktheit Probleme hat, sollte einen Bogen machen.

Ein starker Newcomer und die Inspiration hinter dem Film

Laith Khalifeh gibt in der Hauptrolle sein Spielfilmdebüt und wird von Kritikern als "fabulös zurückhaltend" beschrieben - jemand, "mit dem man gerne einen Tag verbringen würde". Seine unaufgeregte, neugierige Präsenz trägt den Film. An seiner Seite Joel Isaac als charmanter Lieferant, Ezriel Kornel als älterer Künstler Sal und Matthew Risch als die große, unerreichte Liebe Iggie.

Lucio Castro wurde von der Arbeit des echten Künstlers Sal Salandra inspiriert, der mit über 70 Jahren begann, explizite sexuelle Motive zu sticken. Was als Idee für eine Doku begann, wurde zu diesem fiktionalen Spielfilm - Castro realisierte, dass er das, was ihn faszinierte, nur in einem Spielfilm ausdrücken konnte.

Wo du "Drunken Noodles" 2026 sehen kannst

Der Film wird in Deutschland von Salzgeber vertrieben und wurde als "eine der großen Entdeckungen des Filmfestivals in Cannes 2025" gefeiert. In der Schweiz läuft er ab 13. Mai 2026 in ausgewählten Kinos. Der genaue deutsche Kinostart ist für 22. April 2026 vorgesehen, wobei der Film vermutlich nur in Arthäusern und größeren Städten laufen wird - in Berlin beispielsweise in den Yorck-Kinos. In den USA bringt Strand Releasing den Film am 26. Juni 2026 in limitierte Kinos. Streaming-Verfügbarkeit für den deutschsprachigen Raum ist aktuell noch nicht bekannt.

Sommertraum oder überambitioniert? Unser ehrliches Fazit

"Drunken Noodles" ist kein Film für alle. Wer eine klassische schwule Liebesgeschichte mit klarer Erzählstruktur erwartet, wird frustriert sein. Castro liefert ein bescheidenes, schönes und menschliches Werk über Zeit, Liebe und die fragile, zirkuläre Natur der Erinnerung - zärtlich, introspektiv und zutiefst aufrichtig. Humorvoll und erotisch zugleich ist "Drunken Noodles" die Art von queerer Kunst, die sich zeitlos und verspielt anfühlt.

Gleichzeitig ist der Film handwerklich anspruchsvoll, mit langen, atmosphärischen Einstellungen und einer nicht-linearen Struktur, die Geduld erfordert. Die Balance zwischen tiefsinnig und prätentiös ist hauchdünn. Manche werden den Film als poetische Meditation über schwules Begehren feiern, andere als emotional distanziert und narrativ zerfasert erleben. Wenn du Filme wie "End of the Century", Andrew Haighs "Weekend" oder auch Apichatpong Weerasethakuls surreale Bildsprache magst, wirst du hier auf deine Kosten kommen. Wenn du eher auf "Heartstopper" oder "Call Me By Your Name" stehst, könnte "Drunken Noodles" dich verwirren oder langweilen.

Unser Tipp: Schau ihn im Kino, wenn du Lust auf etwas Experimentelles hast und dich auf die sommerliche, sinnliche Stimmung einlassen willst. Er ist keine leichte Kost, aber ein ehrlicher Blick auf queeres Begehren jenseits von Hollywood-Klischees.

Bilder zum Film

Pressefotos und Filmstills (Bild © TMDb / Filmverleih · Discovery: queerfilmnacht.de). Genutzt im Sinne kritischer Berichterstattung gemäß §51 UrhG.

War dieser Guide hilfreich?

Log dich ein, um dein Feedback dazulassen - das dauert nur einen Moment.

Einloggen & Feedback geben

Kommentare

Logg dich ein, um mitzudiskutieren.

Einloggen
Noch keine Kommentare. Logg dich ein und schreib den ersten Beitrag.