Mauern aus Sand (2025) - Wenn Gefühle die Dämme brechen

Ein kroatisches Coming-of-Age-Drama über verdrängte Liebe und die Enge konservativer Dorfstrukturen. Berlinale-Hit mit Teddy-Nominierung, ab Mai 2026 in deutschen Kinos.

Redaktion

3 Min Lesezeit

Mauern aus Sand (2025) - Wenn Gefühle die Dämme brechen - Coverbild

Bild © TMDb / Filmverleih

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Ein kleines kroatisches Dorf, eine drohende Flut und ein junger Mann, der glaubt, alles im Griff zu haben. Bis die Vergangenheit zurückkehrt und sein sorgsam konstruiertes Leben ins Wanken bringt. „Mauern aus Sand" feierte Anfang 2025 auf der Berlinale Weltpremiere und ist erst der zweite queere Film in Kroatien seit 20 Jahren. Das allein macht ihn schon wichtig, aber Regisseurin Čejen Černić Čanak liefert auch filmisch ein starkes, ehrliches Stück Kino ab.

Zwei Jungs, eine verbotene Liebe, ein Dorf voller Schweigen

Marko (Lav Novosel) ist 18, beliebter Sportler, hat eine Freundin namens Petra und arbeitet in der Autowerkstatt seines Vaters. Sein Leben im kroatischen Dorf scheint vorgezeichnet: Schulabschluss, Mechaniker-Ausbildung, vielleicht die Meisterschaft im Armdrücken gewinnen. Dann kehrt Slaven (Andrija Žunac) zurück ins Dorf, um seinen Vater zu beerdigen. Slaven war Markos Freund aus Kindertagen, seine erste Liebe, und der Grund, warum sein Vater ihn vor drei Jahren rausgeschmissen hat. Jetzt ist Slaven wieder da und mit ihm all die Gefühle, die Marko seitdem unterdrückt hat. Während das ganze Dorf gegen die drohende Überschwemmung kämpft und Sandsäcke stapelt, versucht Marko, seine eigenen Emotionen hinter einer Mauer aus Selbstkontrolle zu verstecken. Doch wie das Hochwasser finden auch Gefühle ihren Weg.

Ehrliche queere Repräsentation aus einer Region, die sie dringend braucht

Was „Mauern aus Sand" so wertvoll macht, ist seine Authentizität. Regisseurin Černić Čanak selbst sagte nach der kroatischen Premiere: „Das ist erst der zweite queere Film in Kroatien seit 20 Jahren. Ich war sehr gespannt, wie er ankommen würde, und die Reaktionen zeigten, dass die Leute den Film wirklich gefühlt haben." Der Film verzichtet auf Sentimentalität und große Gesten. Stattdessen erzählt er leise von sozialer Kontrolle, von unterdrücktem Begehren und der Unmöglichkeit, in einer konservativen Gemeinschaft man selbst zu sein. Die Homophobie wird nicht laut geschrien, sie passiert in Blicken, abgebrochenen Sätzen, in der Art, wie die Dorfgemeinschaft über Slaven redet. Das macht sie umso bedrückender. Hinter der Kamera steht mit Černić Čanak eine Regisseurin, die sichtlich weiß, wovon sie erzählt, und Drehbuchautor Tomislav Zajec hat eine Geschichte geschrieben, die universell ist, aber fest im kroatischen Kontext verwurzelt bleibt.

Starke Darsteller, die dich nicht mehr loslassen

Lav Novosel ist eine Entdeckung. In seiner Debütrolle spielt er Marko mit einer Intensität, die unter die Haut geht. Du siehst ihm an, wie er zwischen dem, was er fühlt, und dem, was von ihm erwartet wird, zerrissen ist. Beim Pula Film Festival wurde er dafür mit dem Breza-Preis für den besten Debütanten ausgezeichnet. Andrija Žunac als Slaven bringt eine ruhige, fast trotzige Präsenz mit, die perfekt kontrastiert. Er gewann in Pula den Preis als bester Nebendarsteller. Auch Leon Grgić als Markos kleiner Bruder Fico, der das Down-Syndrom hat und Kaninchen liebt, verdient Erwähnung. Er bringt eine Unschuld in den Film, die das Drama noch schmerzlicher macht.

Wo du es sehen kannst

Der deutsche Kinostart ist für Mai 2026 geplant, im Rahmen der Queerfilmnacht, verliehen wird der Film hierzulande von Salzgeber. Aktuell ist „Mauern aus Sand" noch nicht auf Streaming-Plattformen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz verfügbar. Halte Ausschau nach Festival-Screenings oder der Queerfilmnacht-Tour, wenn du ihn früh sehen willst. Ab Ende Mai 2026 dann regulär im Kino.

Lohnt sich das kroatische Drama oder ist es nur Festival-Hype?

„Mauern aus Sand" ist kein perfekter Film. Manche werden das offene Ende als unbefriedigend empfinden, und ja, das Setting „schwuler Junge im konservativen Dorf" ist nicht neu. Aber was Černić Čanak daraus macht, ist trotzdem sehenswert. Der Film verzichtet auf Kitsch und Melodram, bleibt nah an seinen Figuren und erzählt eine Geschichte, die „eine der wichtigsten queeren Geschichten ist, die in den letzten Jahren aus Kroatien kamen". Die Bilder sind wunderschön, die Metapher der Flut funktioniert ohne plakativ zu werden, und die Performances sind stark. Wenn du auf stilles, atmosphärisches Kino stehst, das sich Zeit nimmt und dich mit einem Gefühl der Melancholie zurücklässt, dann ist „Mauern aus Sand" genau richtig. Für alle, die in ländlichen, engen Strukturen aufgewachsen sind oder sich jemals verstecken mussten, wird dieser Film besonders hart treffen. Und das ist auch gut so. Solche Geschichten müssen erzählt werden, gerade in Regionen, in denen queeres Leben sonst unsichtbar bleibt.

Bilder zum Film

Pressefotos und Filmstills (Bild © TMDb / Filmverleih). Genutzt im Sinne kritischer Berichterstattung gemäß §51 UrhG.

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