Wer will schon einen Astronauten heiraten? (2025) - Road-Movie mit Herz, aber ohne Überraschungen

Nach 15 Jahren Beziehung bekommt David ein „Nein" auf seinen Heiratsantrag. Seine Lösung: Er fährt trotzdem zur Hochzeit nach Las Vegas und sucht sich auf der Route 66 einen neuen Partner. Eine queere Rom-Com, die unterhält, aber wenig wagt.

Redaktion

5 Min Lesezeit

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Bild © TMDb / Filmverleih · Discovery: pro-fun.de

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Eine spanisch-argentinische Rom-Com, die schwule Liebe ohne Drama erzählt und trotzdem nicht ganz abhebt? Genau das ist Wer will schon einen Astronauten heiraten?, das Regiedebüt von David Matamoros. Der Film feierte seine Weltpremiere 2024 beim Festival Internacional de Cine del Mar del Plata und lief auf mehreren LGBTQ-Festivals, darunter das TLV Fest in Tel Aviv und IMAGE+NATION. Die Prämisse klingt wild: Ein hoffnungsloser Romantiker plant nach 15 Jahren Beziehung eine Traumhochzeit in Las Vegas. Doch der Partner sagt „Nein". Davids Reaktion? Er macht den Trip trotzdem und sucht sich unterwegs jemanden, der ihn am Ende heiratet. Klingt absurd, fühlt sich aber erstaunlich vertraut an.

Die Story: Von Barcelona nach Vegas, mit Herzschmerz im Gepäck

David ist Innenarchitekt, ein Träumer mit Hippie-Mutter und einem besten Freund, der für ihn arbeitet. Nach fünfzehn Jahren mit seinem Partner Quique, einem venezolanischen Bildhauer, plant er spontan eine Reise entlang der Route 66, inklusive Hochzeit in einer Las-Vegas-Kapelle. Dumm nur: Quique lehnt vor versammelter Gesellschaft ab. David, stur wie romantisch, beschließt trotzdem loszufahren. Sein Ziel: in zehn Tagen den „Ritter in glänzender Rüstung" zu finden, der ihn heiratet. Unterwegs kreuzt er Menschen, Motels, Neonlichter und natürlich seine eigenen Zweifel. Auf der Route 66 begegnet ihm Esteban (Raúl Fernández de Pablo), ein Pilot, der mehr als nur charmant ist.

Das Problem: Der Konflikt ist vorhersehbar, die Dialoge klingen oft nach Handbuch, und der Ausgang ist schon ab Minute 20 klar. Es ist eine Geschichte, die auf Wohlfühl-Modus läuft, nicht auf Spannung. Wer queere Rom-Coms mag, wird das zu schätzen wissen. Wer auf narrative Überraschungen hofft, wird enttäuscht.

Was der Film für queere Zuschauer leistet (und wo er zaghaft bleibt)

Der Film reiht sich ein in eine neue Welle queeren Kinos, das sich vom Trauma-Narrativ lösen will und stattdessen alltägliche Darstellung bietet. Und genau das ist sein größter Verdienst: David und Quique sind keine Opfer ihrer Sexualität, kein Coming-out-Drama, keine HIV-Storyline. Sie sind einfach zwei Männer, die unterschiedliche Vorstellungen von Beziehung haben. Es gibt kein kämpferisches Statement, keinen überzogenen Identitätskonflikt, einfach nur eine Geschichte.

Das ist schön. Aber es ist auch bequem. Die Chance, die emotionale Komplexität einer langen Beziehung wirklich zu durchleuchten, bleibt ungenutzt. Matamoros hat den Film nach eigenen Erfahrungen geschrieben und als Hommage an die Sandra-Bullock-Rom-Coms der 90er und 2000er konzipiert. Das merkt man: Es gibt Referenzen, Meta-Momente, sogar ein Easter Egg zu Pretty Woman. Aber während Sandra Bullock in ihren besten Filmen auch mal gegen die Genre-Konventionen anging, bleibt Astronauten strikt in der Spur.

Regisseur David Matamoros ist selbst schwul, arbeitete als Produzent, bevor er mit diesem Film sein Solo-Debüt gab, und beschreibt die Geschichte als queere Neuinterpretation von „Der Zauberer von Oz". Hauptdarsteller Raúl Tejón wiederum ist offen schwul und hat in Interviews über die Diskriminierung gesprochen, die er als homosexueller Schauspieler in Spanien erlebt hat, wo ihm Rollen verweigert wurden, weil man ihm seine Homosexualität angeblich „ansieht". Das macht seinen Auftritt hier doppelt relevant: Er spielt einen queeren Charakter ohne jede Karikatur, ohne jedes Klischee.

Cast und Performances: Sympathisch, aber keine Offenbarung

Raúl Tejón trägt den Film mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und naivem Charme. Er spielt David mit einer beinahe kindlichen Unschuld, gemischt mit schlechten Ideen und vielen Verletzlichkeiten, die erst sichtbar werden, wenn er anderen öffnet, was der Performance Energie gibt. Raúl Fernández de Pablo als Esteban, der Pilot, den David auf dem Road-Trip trifft, ist charmant und natürlich, balanciert Tejóns Spiel mit Süße, Fürsorge und Abenteuerlust aus. Die Chemie zwischen beiden funktioniert, auch wenn sie nie wirklich knistert.

Alejandro Nones als Ex-Partner Quique hat die undankbarste Rolle: Ein Charakter, den man nur schwer mögen kann, aber Nones spielt ihn genau richtig. Sabrina Praga, Pablo Turturiello und Francisco Andrade ergänzen als Nebenfiguren solide, bleiben aber Staffage. Die Nebenrollen liefern komische Momente, aber bleiben reine Comic-Relief-Figuren, und insgesamt sind die Performances solide, aber nicht unvergesslich.

Wo du es 2026 sehen kannst

In Deutschland ist der Film seit Juni 2025 als Leih- oder Kauftitel verfügbar: bei Apple TV, Amazon Video, MagentaTV, Videoload und Verleihshop. In Österreich läuft er auf Apple TV und Amazon Video, in der Schweiz exklusiv auf Apple TV. Ein Kino-Release gab es nur in Spanien (ab August 2025), dort mit mäßigem Erfolg: knapp 1.400 Zuschauer und rund 8.000 Euro Einspielergebnis. Streaming-Dienste wie Netflix haben den Film bisher nicht im Abo-Katalog, also musst du ihn einzeln ausleihen oder kaufen.

Lohnt es sich, zehn Euro für einen Leihfilm auszugeben?

Die Kritik fasst es treffend zusammen: Der Film unterhält, erfüllt seine Aufgabe, aber er hebt nicht ab. Er hat Rhythmus, läuft flüssig, fühlt sich nie schleppend an, und Matamoros versteht die Sprache der romantischen Komödie mit ihren Pausen, Übergängen und unvermeidlichen Wendungen. Visuell macht der Film ordentlich was her: Die Road-Movie-Ästhetik mit Neon-Motels, Wüsten-Panoramen und offenen Straßen funktioniert, die Locations sind gut gewählt, und die Kamera nutzt die Weite, um sowohl Freiheit als auch emotionale Distanz anzudeuten.

Aber ehrlich? Das ist Comfort-Food-Kino. Es ist nett, korrekt, gedacht für einen entspannten Abend ohne Komplikationen. Es erfindet das Genre nicht neu und will das auch gar nicht. Es setzt auf Wärme, leichten Humor und eine Liebesgeschichte, die eher tröstet als überrascht, und funktioniert vor allem, wenn du klassische Rom-Coms und Geschichten über zweite Chancen magst.

Für wen lohnt es sich? Wenn du Lust auf eine queere Rom-Com hast, die ohne Trauma auskommt, wenn du Raúl Tejón aus Machos Alfa kennst und magst, oder wenn du einfach Bock auf 94 Minuten Route-66-Romantik hast: zugreifen. Wenn du aber auf innovative queere Erzählungen wie Weekend, God's Own Country oder Passages stehst, wird dich das hier eher langweilen. Es ist solide Unterhaltung, aber keine Must-Watch-Empfehlung. Ein netter Abend auf der Couch, mehr nicht.

Bilder zum Film

Pressefotos und Filmstills (Bild © TMDb / Filmverleih · Discovery: pro-fun.de). Genutzt im Sinne kritischer Berichterstattung gemäß §51 UrhG.

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