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Queeres Lexikon

49 Begriffe aus Szene, Dating, Coming-out und Gesundheit. Was sie bedeuten, woher sie kommen und wie sie gemeint sind, wenn sie dir im Chat, in einem Profil oder unter Freunden begegnen.

49 Begriffe

Wer bin ich

Die Wörter, mit denen Leute beschreiben, wen sie lieben und wer sie sind.

  • Queer

    auch: lgbtq, lgbt

    Sammelbegriff für alle, die nicht hetero und nicht cis sind. Früher ein Schimpfwort, heute selbstbewusst zurückerobert.

    Queer funktioniert als Dach über schwul, lesbisch, bi, pan, trans, inter, ace und alles dazwischen. Manche benutzen es genau deshalb: Es lässt offen, was man im Detail ist. Weil das Wort lange als Beleidigung gebraucht wurde, mögen es nicht alle. Wenn du über jemanden sprichst, nimm einfach das Wort, das die Person selbst benutzt.

  • Schwul

    auch: gay, homosexuell

    Ein Mann, der sich romantisch und sexuell zu Männern hingezogen fühlt.

    Im Deutschen ist schwul das normale, unproblematische Wort, auch wenn es auf Schulhöfen noch als Beleidigung fliegt. Das sagt mehr über die aus, die es so benutzen. Manche sagen lieber homosexuell, das klingt allerdings nach Lehrbuch und Behörde, oder gay, das lockerer wirkt.

    Zum Ratgeber „Bin ich schwul?“
  • Bisexuell

    auch: bi

    Anziehung zu mehr als einem Geschlecht. Nicht zwingend zu gleichen Teilen und nicht zwingend gleichzeitig.

    Bi heißt nicht fifty-fifty. Bei den meisten verschiebt sich das über die Jahre, und trotzdem bleibt es bi. Bi ist auch keine Zwischenstation auf dem Weg zu schwul, auch wenn das aus beiden Richtungen behauptet wird. Wer sich erst bi nennt und später schwul, hat nicht gelogen, sondern dazugelernt.

    Bi oder schwul?
  • Pansexuell

    auch: pan

    Anziehung unabhängig vom Geschlecht. Für das Verliebtsein spielt es schlicht keine Rolle.

    Der Unterschied zu bi ist klein und wird viel diskutiert. Grob gesagt: Bi heißt „mehr als ein Geschlecht“, pan heißt „Geschlecht ist für mich kein Kriterium“. Viele könnten beide Wörter benutzen und entscheiden nach Gefühl. Das ist erlaubt.

    Schwul, bi oder pan?
  • Asexuell

    auch: ace, ace-spektrum, aro

    Wenig oder gar keine sexuelle Anziehung. Verliebtsein ist davon unabhängig möglich.

    Asexuell heißt nicht lustlos, beziehungsunfähig oder traumatisiert. Viele Ace-Leute führen Beziehungen, manche haben Sex, manche nicht. Romantische Anziehung wird getrennt davon beantwortet: Man kann asexuell und trotzdem homoromantisch sein, also in Jungs verliebt, ohne Sex zu wollen.

    Asexuell und schwul
  • Trans

    auch: transgender, trans mann, trans frau

    Das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht stimmt nicht mit dem eigenen überein.

    Trans ist ein Adjektiv, kein Substantiv: eine trans Frau, ein trans Mann. Ob jemand Hormone nimmt oder Operationen hatte, ändert nichts daran, ob die Person trans ist. Und es geht niemanden etwas an, der nicht ausdrücklich gefragt wurde.

  • Non-binär

    auch: nonbinär, nichtbinär, enby, nb

    Weder ganz Mann noch ganz Frau, sondern dazwischen, beides oder außerhalb davon.

    Manche fühlen sich mal in die eine, mal in die andere Richtung, andere durchgehend an keinem der beiden Pole. Welche Anrede gilt, sagt die Person selbst. Im Deutschen sind das oft „they“, „dey“ oder gar keine Pronomen, dann wird einfach der Name wiederholt.

  • Cis

    auch: cisgender

    Das Gegenstück zu trans: Das zugewiesene Geschlecht passt zum eigenen Empfinden.

    Das Wort existiert, damit „trans“ nicht gegen „normal“ steht, sondern gegen einen gleichwertigen Begriff. Die meisten Menschen sind cis und haben darüber nie nachgedacht. Genau das ist der Punkt.

  • Questioning

    auch: fragend, unsicher

    Du bist gerade am Sortieren und hast dich noch nicht festgelegt. Ein gültiger Zustand, kein Defizit.

    Questioning kann Wochen dauern oder Jahre. Es gibt keine Frist und keine Prüfung am Ende. Manche kommen bei schwul heraus, andere bei bi, wieder andere lassen es offen. Wichtig ist nur, dass du dabei nicht allein bleibst.

    Beim Sortieren helfen

Coming-out und Umfeld

Rund um das Sagen, das Verschweigen und die Reaktionen der anderen.

  • Coming-out

    auch: outen, coming out

    Der Schritt, anderen von der eigenen Orientierung zu erzählen. Freiwillig und in deinem Tempo.

    Man unterscheidet das innere Coming-out, es sich also selbst einzugestehen, vom äußeren, es also auszusprechen. Beides ist nie ganz abgeschlossen: Bei jeder neuen Klasse, jedem neuen Job stellt sich die Frage von vorn. Du schuldest niemandem ein Coming-out, auch nicht deiner Familie.

    Zum Coming-out-Ratgeber
  • Outing

    auch: geoutet, zwangsouting

    Wenn jemand anderes deine Orientierung weitererzählt, ohne dass du das wolltest. Das Gegenteil von Coming-out.

    Der ganze Unterschied liegt in der Freiwilligkeit. Ein Outing nimmt dir die Entscheidung darüber, wer es wann erfährt, und kann echten Schaden anrichten, gerade wenn es zu Hause nicht sicher ist. Wenn dir jemand so etwas anvertraut: Behalte es für dich. Immer.

  • Internalisierte Homophobie

    auch: verinnerlichte homophobie, selbsthass

    Die Ablehnung von außen, die man irgendwann gegen sich selbst richtet.

    Im Kopf klingt sie wie „bloß nicht auffallen“, „so tuntig bin ich nicht“ oder „mit der Szene habe ich nichts zu tun“. Das sind keine eigenen Überzeugungen, das sind eingesammelte Sätze von anderen. Sie verschwinden wieder, aber langsam und selten von allein.

    Was dagegen hilft
  • Homophobie

    auch: queerfeindlichkeit, schwulenfeindlichkeit, transphobie, biphobie

    Abwertung von queeren Menschen, von blöden Sprüchen bis zu Gewalt.

    Die Endung „-phobie“ führt in die Irre, es geht selten um Angst und meistens um Verachtung. Der Oberbegriff Queerfeindlichkeit deckt auch Trans- und Biphobie mit ab. Strafbar wird das in Österreich, Deutschland und der Schweiz spätestens bei Beleidigung, Bedrohung und Verhetzung.

    Wenn dir das im Netz passiert: Screenshots machen, blockieren, melden. In dieser Reihenfolge.

  • Safe Space

    auch: sicherer raum, schutzraum

    Ein Ort oder eine Gruppe, wo du dich nicht erklären und nicht verstellen musst.

    Das kann ein Jugendtreff sein, ein Server, ein Sportverein oder eine einzige Freundschaft. Ein Safe Space heißt nicht, dass es dort keinen Streit gibt. Er heißt, dass deine Orientierung dort kein Diskussionsthema ist.

  • Ally

    auch: verbündete, verbündeter, allys

    Jemand, der selbst nicht queer ist, sich aber verlässlich danebenstellt.

    Ally ist kein Titel, den man sich selbst verleiht, sondern etwas, das sich im Verhalten zeigt: widersprechen, wenn Sprüche fallen, auch wenn gerade kein Queerer zuhört. Wer nur im Juni ein Regenbogen-Profilbild hat, ist noch keiner.

  • Konversionstherapie

    auch: umpolung, homo-heilung, konversionsbehandlung

    Der Versuch, Schwulsein „wegzubehandeln“. Wirkungslos, gefährlich und für Minderjährige in Deutschland und Österreich verboten.

    Es gibt nichts zu heilen, weil Homosexualität keine Krankheit ist. Wer so etwas anbietet, meist aus dem streng religiösen Umfeld, richtet nachweislich Schaden an: Depressionen, Angststörungen, Suizidgedanken. Auch wohlmeinende Angehörige liegen hier falsch.

    Wenn dir jemand so etwas nahelegt, hol dir Rückendeckung bei einer Beratungsstelle, bevor du dich darauf einlässt.

    Beratungsstellen in AT, DE und CH
  • Heteronormativität

    auch: heteronormativ

    Die stille Annahme, dass alle hetero und cis sind, solange nichts anderes gesagt wird.

    Sie steckt in Kleinigkeiten: die Frage nach der Freundin, das Formular mit zwei Kästchen, der Unterricht, in dem Liebe immer Mann und Frau heißt. Deshalb müssen queere Menschen sich immer wieder neu outen, während das umgekehrt nie jemand muss.

Szene und Typen

Schubladen, die in Apps und Bars benutzt werden. Du musst in keine davon passen.

  • Twink

    auch: twunk

    Junger, schlanker, meist bartloser Typ. Beschreibt einen Look, keinen Charakter.

    Twink ist in der Szene weder Lob noch Beleidigung, sondern eine Schublade wie jede andere. Manche finden sich darin wieder, andere fühlen sich darauf reduziert. Du musst dich in keine dieser Kategorien einsortieren, auch wenn Dating-Apps das gern hätten.

  • Bär

    auch: bear, otter, cub, wolf

    Kräftiger, oft behaarter Typ mit Bart. Eine der ältesten Sub-Szenen überhaupt.

    Rund um Bären ist eine eigene Community mit eigenen Treffen und eigenem Selbstbewusstsein entstanden, ausdrücklich als Gegenentwurf zum durchtrainierten Werbekörper. Verwandte Bezeichnungen: Otter für schlank und behaart, Cub für die jüngere Variante, Wolf für irgendwo dazwischen.

  • Daddy

    auch: sugar daddy, dilf

    Älterer, oft dominanter Typ. Beschreibt eine Ausstrahlung, kein Verwandtschaftsverhältnis.

    In der Szene ein normales, meist wertschätzendes Wort. Ein großer Altersunterschied ist für sich genommen nichts Schlimmes. Wenn du minderjährig bist, gilt trotzdem: Erwachsene, die gezielt Jüngere ansprechen, haben selten harmlose Gründe, und rechtlich ist die Lage eindeutig.

    Wenn dich hier jemand bedrängt oder Bilder will: Profil melden, wir schauen uns das an.

  • Femboy

    auch: femboi

    Junge oder junger Mann mit betont femininem Auftreten. Sagt nichts über die Orientierung aus.

    Der Begriff kommt aus dem Netz und wird von manchen stolz als Selbstbeschreibung getragen, von anderen als Spott benutzt. Feminin auftreten und schwul sein sind zwei verschiedene Dinge, die ständig verwechselt werden. Es gibt hetero Femboys und sehr maskulin wirkende schwule Männer.

  • Tunte

    auch: tuntig

    Betont feminin und theatralisch auftretender schwuler Mann. Je nach Sprecher Selbstbezeichnung oder Beleidigung.

    Innerhalb der Szene wird Tunte oft stolz und liebevoll benutzt. Historisch waren es genau die sichtbaren, femininen Leute, die bei Stonewall vorne standen. Von außen ist es fast immer abwertend gemeint. Faustregel: Wenn du unsicher bist, lass es.

  • Drag

    auch: drag queen, drag king, tucke

    Auftrittskunst mit bewusst übertriebener Geschlechterdarstellung.

    Drag ist eine Bühnenrolle und kein Hinweis auf die Identität der Person darunter. Die allermeisten Drag Queens sind schwule Männer und keine trans Frauen, auch wenn das oft durcheinandergeht. Die Kunstform ist älter als jede Fernsehshow und war lange eine der wenigen Bühnen, die Queere hatten.

  • Straight-Acting

    auch: str8 acting, nur maskulin, masc

    Ein Auftreten, das bewusst „nicht schwul“ wirken soll. In Profilen oft als Anforderung formuliert.

    Hinter „nur maskulin, keine Tunten“ steckt selten Geschmack und oft internalisierte Homophobie. Auf etwas zu stehen ist erlaubt. Alles Feminine abzuwerten ist etwas anderes, und es trifft ausgerechnet die, die für uns alle den Kopf hingehalten haben.

Dating und Sex

Was in Profilen steht und was beim Kennenlernen schiefgehen kann.

  • Top

    auch: aktiv

    Beim Analsex der aktive, eindringende Part.

    Top, Bottom und Versatile beschreiben Vorlieben beim Sex, sonst nichts. Sie sagen nichts über Charakter, Dominanz oder Männlichkeit, auch wenn genau das ständig behauptet wird. Viele merken erst mit der Zeit, was ihnen liegt, und ändern es später wieder.

  • Bottom

    auch: passiv

    Beim Analsex der empfangende Part.

    Dass Bottom „die Frauenrolle“ sei, ist Unsinn aus der Hetero-Schablone. Wichtiger als das Etikett sind Vorbereitung, Tempo und miteinander reden. Wenn etwas wehtut, ist es kein Zeichen von Schwäche, das zu sagen, sondern das Mindeste.

    Es gibt keine Eile. Nichts davon muss beim ersten Date passieren oder überhaupt jemals.

  • Versatile

    auch: vers, switch, vers top, vers bottom

    Beides möglich, je nach Lust und Person.

    In Apps oft als „vers“ abgekürzt, mit Zusätzen wie „vers top“, wenn eine Richtung überwiegt. Die Mehrheit landet irgendwo in diesem Bereich, auch wenn die Profile ein anderes Bild zeichnen.

  • Hookup

    auch: one night stand, nsa, casual

    Sexuelles Treffen ohne Beziehungsabsicht, meist über eine App verabredet.

    Beides ist in Ordnung, Hookups oder eben nicht. Schwierig wird es nur, wenn einer von beiden etwas anderes will und es nicht sagt. Ein ehrlicher Satz vorher spart die Enttäuschung danach.

  • Cruising

    auch: klappe, öffentlicher sex

    Sex mit Fremden an bekannten Treffpunkten, klassisch in Parks, Wäldern oder an Rastplätzen.

    Cruising ist älter als jede App und entstand, als es keine offenen Orte für Schwule gab. Verbreitet ist es bis heute, mit realen Risiken: Überfälle, Anzeigen wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses und keine Kontrolle darüber, wer sonst noch auftaucht.

    Wenn du unter 18 bist, gehörst du dort nicht hin. Das ist keine Moral, sondern Selbstschutz.

  • Darkroom

    auch: dark room, backroom

    Abgedunkelter Raum in einer Bar oder einem Club, in dem Sex stattfindet.

    Zutritt haben Erwachsene, in aller Regel ab 18. Es gelten dieselben Regeln wie überall sonst: Ein Nein ist ein Nein, auch im Dunkeln, und Grapschen ohne Zustimmung ist ein Übergriff und keine Ortstypik.

  • Ghosting

    auch: geghostet, ghosten

    Der Kontakt bricht ohne Erklärung ab, alle Nachrichten bleiben unbeantwortet.

    Ghosting sagt fast immer mehr über die Person aus, die geht, als über dich. Trotzdem tut es weh, weil dein Kopf ohne Erklärung anfängt, sich selbst eine zu bauen, und die fällt meistens gemein aus. Es hilft, das für sich abzuschließen, statt auf eine Antwort zu warten, die nicht kommt.

    Wenn dein Crush ghostet
  • Catfishing

    auch: catfish, fakeprofil

    Jemand gibt sich mit fremden Fotos und erfundener Biografie als eine andere Person aus.

    Typische Zeichen: Videocalls werden immer wieder verschoben, die Bilder wirken zu professionell, und früh geht es um Geld oder Nacktbilder. Eine Bildrückwärtssuche entlarvt die meisten in unter einer Minute.

    Catfishing erkennen
  • Sexting

    auch: nudes, dickpic

    Erotische Nachrichten und Bilder austauschen.

    Unter Erwachsenen einvernehmlich völlig legal. Wichtig für dich: Nacktbilder von Minderjährigen sind in Österreich, Deutschland und der Schweiz strafbar, auch wenn du selbst minderjährig bist und es dein eigenes Bild ist. Und was einmal verschickt ist, gehört dir nicht mehr.

    Kein Gesicht, keine erkennbaren Details, nichts unter Druck, und niemals Bilder von anderen weiterleiten.

    Sexting und Kontrollverlust
  • Polyamorie

    auch: poly, offene beziehung, monogam

    Mehrere Beziehungen gleichzeitig, mit dem Wissen und Einverständnis aller Beteiligten.

    Der Unterschied zum Fremdgehen liegt genau in diesem Einverständnis. Eine offene Beziehung meint meist ein festes Paar, das Sex mit anderen erlaubt, Polyamorie meint mehrere echte Beziehungen. Beides funktioniert nur mit mehr Reden, nicht mit weniger.

  • Fetisch

    auch: kink, bdsm, dom, sub

    Eine bestimmte Sache, Situation oder Kleidung, die stark erregt. Weit verbreitet und meistens harmlos.

    Von Sportklamotten über Leder bis zu Füßen ist fast alles vertreten, oft mit eigener kleiner Szene. Verwandt ist BDSM, wo es um Rollen wie Dom und Sub geht. Die Grenze verläuft dort, wo jemand nicht zustimmen kann oder will. Alles davor ist Geschmackssache.

Körper und Gesundheit

Schutz, Tests und Substanzen. Sachlich, ohne Panikmache und ohne Verharmlosung.

  • Safer Sex

    auch: kondom, schutz

    Alles, was das Ansteckungsrisiko senkt: Kondome, PrEP, Impfungen und regelmäßige Tests.

    Safer Sex ist kein Alles-oder-nichts. Kondome schützen vor HIV und senken das Risiko bei anderen Infektionen deutlich. PrEP schützt sehr zuverlässig vor HIV, aber nicht vor Syphilis oder Tripper. Impfungen gegen Hepatitis A und B sowie gegen HPV sind für junge schwule Männer besonders sinnvoll und meist kostenlos.

    Safer Sex im Detail
  • HIV

    auch: aids, positiv

    Ein Virus, das unbehandelt das Immunsystem zerstört. Behandelt führt es heute zu einem normalen Leben mit normaler Lebenserwartung.

    Mit Medikamenten sinkt die Virusmenge so weit, dass sie nicht mehr nachweisbar ist. HIV ist längst kein Todesurteil mehr, auch wenn Bilder aus den Achtzigern das Bild bis heute prägen. Was geblieben ist, ist die Ausgrenzung, und die trifft viele härter als die Erkrankung selbst.

    Wo die Forschung steht
  • U=U

    auch: n=n, nicht nachweisbar, nicht übertragbar

    Nicht nachweisbar bedeutet nicht übertragbar. Wer HIV hat und behandelt wird, kann das Virus nicht weitergeben.

    Das ist keine Beschwichtigung, sondern durch große Studien belegt und weltweiter medizinischer Konsens. Praktisch heißt das: Sex mit einem Mann, der von seiner HIV-Infektion weiß und in Behandlung ist, ist sicherer als mit jemandem, der von seiner frischen Infektion noch nichts ahnt.

  • PrEP

    auch: prä-expositionsprophylaxe, truvada

    Eine Tablette, die HIV-negative Menschen vor einer Ansteckung mit HIV schützt.

    Richtig eingenommen liegt der Schutz bei über 99 Prozent. Vor anderen Geschlechtskrankheiten schützt sie nicht, deshalb gehören regelmäßige Tests dazu. In Deutschland zahlt die Krankenkasse, in Österreich und der Schweiz zahlt man meist selbst, es gibt aber günstige Wege über Schwerpunktpraxen und Checkpoints.

    Verschreibungspflichtig. Erste Anlaufstelle ist ein Checkpoint oder eine HIV-Schwerpunktpraxis.

    PrEP für Jugendliche erklärt
  • PEP

    auch: post-expositionsprophylaxe, notfall

    Die Notfallbehandlung nach einem Risikokontakt. Muss so schnell wie möglich beginnen, spätestens nach 72 Stunden.

    Wenn das Kondom gerissen ist oder du sonst ein Risiko hattest: sofort in eine Notaufnahme oder Infektionsambulanz, nicht bis morgen warten. Je früher, desto besser wirkt sie. Die Behandlung läuft dann vier Wochen.

    Im Zweifel immer hingehen und fragen. Peinlich ist das dort niemandem, das ist Alltag.

  • STI

    auch: geschlechtskrankheit, tripper, syphilis, chlamydien, std

    Sexuell übertragbare Infektionen wie Tripper, Chlamydien oder Syphilis. Häufig und meist gut behandelbar.

    Viele verlaufen ohne Symptome, gerade im Rachen und im Darm. Abwarten bringt deshalb nichts und Testen alles. Für sexuell aktive schwule Männer gelten Tests alle drei bis sechs Monate als sinnvoll. In Checkpoints geht das anonym und oft kostenlos.

  • Poppers

    auch: amylnitrit, rush

    Ein Inhalationsmittel, das die Muskulatur kurz entspannt und einen wenige Minuten dauernden Rausch auslöst.

    Verbreitet in der Szene und trotzdem nicht harmlos. Zusammen mit Potenzmitteln kann der Blutdruck lebensgefährlich abstürzen. Dazu kommen Kopfschmerzen, bei Kontakt mit den Augen Sehschäden, und verschluckt ist das Zeug akut giftig.

  • Chemsex

    auch: party and play, pnp, slamming

    Sex unter dem Einfluss bestimmter Drogen, meist über viele Stunden und oft mit mehreren Beteiligten.

    Das Risiko liegt nicht nur in den Substanzen, sondern in der Kombination: Überdosierungen, weggefallene Hemmschwellen, kein Schutz, und am Ende keine Erinnerung daran, wer überhaupt dabei war. Eine Abhängigkeit entsteht hier schneller, als die meisten erwarten.

    Wenn du merkst, dass du nüchternen Sex nicht mehr willst oder kannst: Das ist der Zeitpunkt für ein Gespräch, nicht später. Es gibt Beratung, die nicht moralisiert.

  • Bareback

    auch: bb, raw, ohne kondom

    Sex ohne Kondom. In Profilen oft als „bb“ oder „raw“ abgekürzt.

    Ohne Schutz überträgt sich HIV und alles andere am leichtesten. Wenn es trotzdem passiert oder bewusst so gewollt ist, schließt PrEP die HIV-Lücke und regelmäßige Tests erledigen den Rest. Druck in diese Richtung, „nur einmal ohne“, ist ein Warnsignal und kein Kompliment.

Pride und Politik

Symbole, Geschichte und die Debatten, die jedes Jahr wiederkommen.

  • Pride

    auch: pride month, stolz

    Der Stolz darauf, sichtbar zu sein, und die Bewegung, die daraus entstanden ist.

    Der Gegenbegriff ist Scham, und genau darum ging es historisch: sich nicht mehr verstecken zu müssen. Heute ist Pride Demonstration und Party zugleich, was jedes Jahr zu Streit darüber führt, was davon zu kurz kommt.

  • CSD

    auch: christopher street day, regenbogenparade, zurich pride, parade

    Christopher Street Day, die jährliche Demonstration für queere Rechte. In Wien heißt sie Regenbogenparade, in Zürich Zurich Pride.

    Benannt nach der Christopher Street in New York, wo 1969 der Aufstand begann. Ein CSD ist formal eine Demonstration und damit auch für Minderjährige zugänglich. Für viele ist der erste CSD der erste Tag im Leben, an dem sie in der Mehrheit sind.

    CSD 2026
  • Stonewall

    auch: stonewall inn, stonewall riots, aufstand

    Der Aufstand 1969 in der New Yorker Bar Stonewall Inn, aus dem die moderne queere Bewegung hervorging.

    Nach einer Polizeirazzia wehrten sich die Gäste sechs Nächte lang. Vorne standen die, die am wenigsten zu verlieren hatten: trans Frauen, Schwarze und lateinamerikanische Dragqueens, Obdachlose. Ein Jahr später fand der erste Marsch statt, aus dem der CSD wurde.

  • Regenbogenflagge

    auch: pride flag, progressflagge, progress flag, regenbogenfahne

    Das bekannteste queere Symbol, seit 1978 im Einsatz.

    Die ursprüngliche Fahne hatte acht Streifen, heute sind sechs üblich. Die Progress-Flagge ergänzt einen Keil in Hellblau, Rosa, Weiß, Braun und Schwarz für trans Menschen und queere People of Color. Daneben gibt es eigene Flaggen für bi, pan, ace, non-binär und viele weitere.

  • Pinkwashing

    auch: rainbow capitalism, regenbogenkapitalismus

    Wenn Firmen oder Staaten sich queerfreundlich zeigen, ohne dass dahinter etwas steht.

    Erkennbar am Kalender: Im Juni ist das Logo bunt, im Juli wieder grau, und an Spenden oder Arbeitsbedingungen ändert sich nie etwas. Nicht jedes Pride-Logo ist Pinkwashing. Die Frage, was die Firma in den anderen elf Monaten tut, ist trotzdem immer erlaubt.

Ein Begriff fehlt?

Das Lexikon wächst mit dem, was ihr fragt. Wenn dir etwas untergekommen ist, das hier nicht steht, schreib es in den Real Talk. Wir nehmen es auf.