Queeres Lexikon
97 Begriffe aus Szene, Dating, Coming-out, Gesundheit und allem, was im Netz schieflaufen kann. Was sie bedeuten, woher sie kommen und wie sie gemeint sind, wenn sie dir im Chat, in einem Profil oder unter Freunden begegnen.
97 Begriffe
Wer bin ich
Die Wörter, mit denen Leute beschreiben, wen sie lieben und wer sie sind.
Queer
auch: lgbtq, lgbt
Sammelbegriff für alle, die nicht hetero und nicht cis sind. Früher ein Schimpfwort, heute selbstbewusst zurückerobert.
Queer funktioniert als Dach über schwul, lesbisch, bi, pan, trans, inter, ace und alles dazwischen. Manche benutzen es genau deshalb: Es lässt offen, was man im Detail ist. Weil das Wort lange als Beleidigung gebraucht wurde, mögen es nicht alle. Wenn du über jemanden sprichst, nimm einfach das Wort, das die Person selbst benutzt.
Schwul
auch: gay, homosexuell
Ein Mann, der sich romantisch und sexuell zu Männern hingezogen fühlt.
Im Deutschen ist schwul das normale, unproblematische Wort, auch wenn es auf Schulhöfen noch als Beleidigung fliegt. Das sagt mehr über die aus, die es so benutzen. Manche sagen lieber homosexuell, das klingt allerdings nach Lehrbuch und Behörde, oder gay, das lockerer wirkt.
Zum Ratgeber „Bin ich schwul?“Bisexuell
auch: bi
Anziehung zu mehr als einem Geschlecht. Nicht zwingend zu gleichen Teilen und nicht zwingend gleichzeitig.
Bi heißt nicht fifty-fifty. Bei den meisten verschiebt sich das über die Jahre, und trotzdem bleibt es bi. Bi ist auch keine Zwischenstation auf dem Weg zu schwul, auch wenn das aus beiden Richtungen behauptet wird. Wer sich erst bi nennt und später schwul, hat nicht gelogen, sondern dazugelernt.
Bi oder schwul?Pansexuell
auch: pan
Anziehung unabhängig vom Geschlecht. Für das Verliebtsein spielt es schlicht keine Rolle.
Der Unterschied zu bi ist klein und wird viel diskutiert. Grob gesagt: Bi heißt „mehr als ein Geschlecht“, pan heißt „Geschlecht ist für mich kein Kriterium“. Viele könnten beide Wörter benutzen und entscheiden nach Gefühl. Das ist erlaubt.
Schwul, bi oder pan?Asexuell
auch: ace, ace-spektrum, aro
Wenig oder gar keine sexuelle Anziehung. Verliebtsein ist davon unabhängig möglich.
Asexuell heißt nicht lustlos, beziehungsunfähig oder traumatisiert. Viele Ace-Leute führen Beziehungen, manche haben Sex, manche nicht. Romantische Anziehung wird getrennt davon beantwortet: Man kann asexuell und trotzdem homoromantisch sein, also in Jungs verliebt, ohne Sex zu wollen.
Asexuell und schwulTrans
auch: transgender, trans mann, trans frau
Das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht stimmt nicht mit dem eigenen überein.
Trans ist ein Adjektiv, kein Substantiv: eine trans Frau, ein trans Mann. Ob jemand Hormone nimmt oder Operationen hatte, ändert nichts daran, ob die Person trans ist. Und es geht niemanden etwas an, der nicht ausdrücklich gefragt wurde.
Non-binär
auch: nonbinär, nichtbinär, enby, nb
Weder ganz Mann noch ganz Frau, sondern dazwischen, beides oder außerhalb davon.
Manche fühlen sich mal in die eine, mal in die andere Richtung, andere durchgehend an keinem der beiden Pole. Welche Anrede gilt, sagt die Person selbst. Im Deutschen sind das oft „they“, „dey“ oder gar keine Pronomen, dann wird einfach der Name wiederholt.
Cis
auch: cisgender
Das Gegenstück zu trans: Das zugewiesene Geschlecht passt zum eigenen Empfinden.
Das Wort existiert, damit „trans“ nicht gegen „normal“ steht, sondern gegen einen gleichwertigen Begriff. Die meisten Menschen sind cis und haben darüber nie nachgedacht. Genau das ist der Punkt.
Questioning
auch: fragend, unsicher
Du bist gerade am Sortieren und hast dich noch nicht festgelegt. Ein gültiger Zustand, kein Defizit.
Questioning kann Wochen dauern oder Jahre. Es gibt keine Frist und keine Prüfung am Ende. Manche kommen bei schwul heraus, andere bei bi, wieder andere lassen es offen. Wichtig ist nur, dass du dabei nicht allein bleibst.
Beim Sortieren helfenLesbisch
auch: lesbe, lesbische frau
Eine Frau, die sich romantisch und sexuell zu Frauen hingezogen fühlt.
Hier geht es zwar überwiegend um Jungs, aber lesbische Freundinnen, Schwestern und Mitschülerinnen kommen im echten Leben ständig vor. Das Wort ist wie schwul das normale, unproblematische. „Lesbe“ ist als Selbstbezeichnung völlig üblich und wird nur dann zur Beleidigung, wenn jemand sie als solche meint.
Inter
auch: intersex, intergeschlechtlich, intersexuell
Körperliche Merkmale, die sich nicht eindeutig in männlich oder weiblich einsortieren lassen. Das I in LGBTIQ.
Inter betrifft den Körper, trans die Identität, und beides hat nichts mit der Frage zu tun, in wen sich jemand verliebt. Etwa eines von tausend Kindern kommt intergeschlechtlich zur Welt. Viele erfahren es erst spät, weil früher standardmäßig operiert wurde, oft ohne medizinischen Grund. In Deutschland und Österreich ist das bei Kindern inzwischen stark eingeschränkt.
Pronomen
auch: er sie they, pronoun, neopronomen
Die Wörter, mit denen über dich gesprochen wird: er, sie, they oder gar keins.
Pronomen im Profil sind kein Zwang und kein Politikum, sie ersparen anderen bloß das Raten. Wenn du dich vertust, korrigierst du dich kurz und redest weiter. Eine große Entschuldigung macht die Situation für die betroffene Person meist unangenehmer als der Fehler selbst.
Deadname
auch: deadnaming, alter name
Der abgelegte Vorname einer trans Person. Wer ihn weiterbenutzt, deadnamed.
Für die Person ist dieser Name kein Detail aus der Vergangenheit, sondern ein Rückfall in eine Zeit, die weh tat. Alte Zeugnisse und Ausweise lassen sich nicht immer ändern, Gespräche schon. Und nein, es ist keine Neugier, sondern Grenzüberschreitung, nach dem alten Namen zu fragen.
Was bedeutet transgender?Misgendern
auch: misgendering, falschgendern
Jemanden mit dem falschen Geschlecht ansprechen, absichtlich oder aus Versehen.
Aus Versehen passiert es allen, besonders bei Leuten, die man lange anders kannte. Entscheidend ist, was danach kommt: korrigieren und weitermachen. Absichtliches Misgendern ist keine Meinung, sondern eine Ansage, und wird bei uns wie jede andere Beleidigung behandelt.
Kinsey-Skala
auch: kinsey, kinsey test, skala 0 bis 6
Eine Skala von 0 bis 6, die Sexualität als Übergang beschreibt statt als drei Schubladen.
Alfred Kinsey stellte in den 1940ern fest, dass zwischen komplett hetero und komplett schwul jede Menge Leute stehen. Die Skala ist alt, grob und kennt weder Asexualität noch Anziehung zu non-binären Menschen. Als erster Gedanke taugt sie trotzdem: Du musst dich nicht in ein Extrem einsortieren, um dazuzugehören.
Zum Ratgeber „Bin ich schwul?“
Coming-out und Umfeld
Rund um das Sagen, das Verschweigen und die Reaktionen der anderen.
Coming-out
auch: outen, coming out
Der Schritt, anderen von der eigenen Orientierung zu erzählen. Freiwillig und in deinem Tempo.
Man unterscheidet das innere Coming-out, es sich also selbst einzugestehen, vom äußeren, es also auszusprechen. Beides ist nie ganz abgeschlossen: Bei jeder neuen Klasse, jedem neuen Job stellt sich die Frage von vorn. Du schuldest niemandem ein Coming-out, auch nicht deiner Familie.
Zum Coming-out-RatgeberOuting
auch: geoutet, zwangsouting
Wenn jemand anderes deine Orientierung weitererzählt, ohne dass du das wolltest. Das Gegenteil von Coming-out.
Der ganze Unterschied liegt in der Freiwilligkeit. Ein Outing nimmt dir die Entscheidung darüber, wer es wann erfährt, und kann echten Schaden anrichten, gerade wenn es zu Hause nicht sicher ist. Wenn dir jemand so etwas anvertraut: Behalte es für dich. Immer.
Internalisierte Homophobie
auch: verinnerlichte homophobie, selbsthass
Die Ablehnung von außen, die man irgendwann gegen sich selbst richtet.
Im Kopf klingt sie wie „bloß nicht auffallen“, „so tuntig bin ich nicht“ oder „mit der Szene habe ich nichts zu tun“. Das sind keine eigenen Überzeugungen, das sind eingesammelte Sätze von anderen. Sie verschwinden wieder, aber langsam und selten von allein.
Was dagegen hilftHomophobie
auch: queerfeindlichkeit, schwulenfeindlichkeit, transphobie, biphobie
Abwertung von queeren Menschen, von blöden Sprüchen bis zu Gewalt.
Die Endung „-phobie“ führt in die Irre, es geht selten um Angst und meistens um Verachtung. Der Oberbegriff Queerfeindlichkeit deckt auch Trans- und Biphobie mit ab. Strafbar wird das in Österreich, Deutschland und der Schweiz spätestens bei Beleidigung, Bedrohung und Verhetzung.
Wenn dir das im Netz passiert: Screenshots machen, blockieren, melden. In dieser Reihenfolge.
Safe Space
auch: sicherer raum, schutzraum
Ein Ort oder eine Gruppe, wo du dich nicht erklären und nicht verstellen musst.
Das kann ein Jugendtreff sein, ein Server, ein Sportverein oder eine einzige Freundschaft. Ein Safe Space heißt nicht, dass es dort keinen Streit gibt. Er heißt, dass deine Orientierung dort kein Diskussionsthema ist.
Ally
auch: verbündete, verbündeter, allys
Jemand, der selbst nicht queer ist, sich aber verlässlich danebenstellt.
Ally ist kein Titel, den man sich selbst verleiht, sondern etwas, das sich im Verhalten zeigt: widersprechen, wenn Sprüche fallen, auch wenn gerade kein Queerer zuhört. Wer nur im Juni ein Regenbogen-Profilbild hat, ist noch keiner.
Konversionstherapie
auch: umpolung, homo-heilung, konversionsbehandlung
Der Versuch, Schwulsein „wegzubehandeln“. Wirkungslos, gefährlich und für Minderjährige in Deutschland und Österreich verboten.
Es gibt nichts zu heilen, weil Homosexualität keine Krankheit ist. Wer so etwas anbietet, meist aus dem streng religiösen Umfeld, richtet nachweislich Schaden an: Depressionen, Angststörungen, Suizidgedanken. Auch wohlmeinende Angehörige liegen hier falsch.
Wenn dir jemand so etwas nahelegt, hol dir Rückendeckung bei einer Beratungsstelle, bevor du dich darauf einlässt.
Beratungsstellen in AT, DE und CHHeteronormativität
auch: heteronormativ
Die stille Annahme, dass alle hetero und cis sind, solange nichts anderes gesagt wird.
Sie steckt in Kleinigkeiten: die Frage nach der Freundin, das Formular mit zwei Kästchen, der Unterricht, in dem Liebe immer Mann und Frau heißt. Deshalb müssen queere Menschen sich immer wieder neu outen, während das umgekehrt nie jemand muss.
Mobbing
auch: bullying, cybermobbing, cyber mobbing
Wiederholte Angriffe gegen dieselbe Person, oft aus der Gruppe heraus. Queere Jugendliche trifft es überdurchschnittlich oft.
Der Unterschied zum Streit ist die Wiederholung und das Gefälle: Einer steht allein, die anderen halten zusammen. Online hört es abends nicht auf, was es zermürbender macht als auf dem Pausenhof. Schulen sind verpflichtet einzugreifen, tun es aber oft erst, wenn es dokumentiert ist. Screenshots mit Datum sind deshalb kein Misstrauen, sondern Vorsorge.
Wenn du gerade mittendrin steckst: Du musst das nicht allein aushalten. Eine Beratungsstelle hört zu, auch anonym.
Mobbing: so wehrst du dichVertrauenslehrkraft
auch: vertrauenslehrer, vertrauenslehrerin, schulsozialarbeit, beratungslehrer
Die Person an der Schule, die für Probleme zuständig ist, die nicht in den Unterricht gehören.
Wie gut das läuft, hängt komplett an der Person. Manche sind Gold wert, andere geben es direkt an die Klassenleitung weiter. Du darfst vorher fragen, was mit dem Gesagten passiert, und du darfst auch nur einen Teil erzählen. Schulsozialarbeit hat oft die bessere Schweigepflicht als eine Lehrkraft, die dich benotet.
Coming-out in der SchuleSelbstakzeptanz
auch: selbstannahme, sich selbst annehmen
Der Punkt, an dem du aufhörst, gegen dich selbst zu arbeiten. Kommt meist vor jedem Coming-out nach außen.
Selbstakzeptanz ist kein Schalter, sondern ein Zustand, der schwankt. An guten Tagen ist es kein Thema, an schlechten wieder das ganze Programm. Beides gehört dazu und beides sagt nichts darüber, wie weit du bist. Wer das Gefühl kennt, sich selbst im Weg zu stehen, findet den Begriff dafür meist unter internalisierter Homophobie.
Selbstakzeptanz als schwuler JugendlicherWahlfamilie
auch: chosen family, wahlverwandtschaft
Die Leute, die für dich einstehen, obwohl sie nicht mit dir verwandt sind.
In der queeren Geschichte ist das kein Trostpflaster, sondern Überlebensstrategie: Wer zu Hause rausflog, baute sich seine Familie neu auf. Auch wenn deine Eltern gut reagieren, brauchst du Leute, denen du nichts erklären musst. Genau das ist der Punkt, an dem eine Community mehr ist als eine App.
Transfeindlichkeit
auch: transphobie, transphob, transfeindlich
Ablehnung von trans Menschen, von Sprüchen bis zu Gewalt.
Sie tarnt sich oft als Sorge oder gesunder Menschenverstand, besonders in Debatten über Sport, Toiletten und Kinder. Auch in der queeren Szene gibt es sie, etwa wenn ein Profil „nur echte Männer“ schreibt. Wer schwul ist, ist dagegen nicht automatisch immun.
Biphobie
auch: bi erasure, bifeindlich, bi-erasure
Die Behauptung, bi gäbe es nicht wirklich. Kommt von beiden Seiten.
Von hetero: „Du bist doch eigentlich schwul.“ Von schwul: „Sag halt einfach, dass du noch nicht so weit bist.“ Bi-Erasure heißt, dass bi Menschen in Statistiken und Erzählungen einfach verschwinden, sobald sie in einer Beziehung sind. Ein bi Mann mit Freund bleibt bi, auch wenn ihn alle für schwul halten.
Bin ich bi? Test und AntwortenMinority Stress
auch: minderheitenstress, minority stress
Die Dauerbelastung, die entsteht, wenn man ständig damit rechnet, abgelehnt zu werden.
Es ist nicht die eine große Beleidigung, sondern die Summe: aufpassen, wie man sitzt, kurz überlegen, bevor man „mein Freund“ sagt, im Bus lieber nicht Händchen halten. Das erklärt, warum queere Jugendliche häufiger mit Angst und Depression zu tun haben, ohne dass irgendetwas an ihnen falsch wäre. Das Problem sitzt außen, die Erschöpfung innen.
Wenn dieser Zustand länger anhält, ist eine Therapie kein Zeichen von Schwäche. Eine Beratungsstelle hilft auch bei der Suche.
Beratungsstellen in AT, DE und CH
Szene und Typen
Schubladen, die in Apps und Bars benutzt werden. Du musst in keine davon passen.
Twink
auch: twunk
Junger, schlanker, meist bartloser Typ. Beschreibt einen Look, keinen Charakter.
Twink ist in der Szene weder Lob noch Beleidigung, sondern eine Schublade wie jede andere. Manche finden sich darin wieder, andere fühlen sich darauf reduziert. Du musst dich in keine dieser Kategorien einsortieren, auch wenn Dating-Apps das gern hätten.
Bär
auch: bear, otter, cub, wolf
Kräftiger, oft behaarter Typ mit Bart. Eine der ältesten Sub-Szenen überhaupt.
Rund um Bären ist eine eigene Community mit eigenen Treffen und eigenem Selbstbewusstsein entstanden, ausdrücklich als Gegenentwurf zum durchtrainierten Werbekörper. Verwandte Bezeichnungen: Otter für schlank und behaart, Cub für die jüngere Variante, Wolf für irgendwo dazwischen.
Daddy
auch: sugar daddy, dilf
Älterer, oft dominanter Typ. Beschreibt eine Ausstrahlung, kein Verwandtschaftsverhältnis.
In der Szene ein normales, meist wertschätzendes Wort. Ein großer Altersunterschied ist für sich genommen nichts Schlimmes. Wenn du minderjährig bist, gilt trotzdem: Erwachsene, die gezielt Jüngere ansprechen, haben selten harmlose Gründe, und rechtlich ist die Lage eindeutig.
Wenn dich hier jemand bedrängt oder Bilder will: Profil melden, wir schauen uns das an.
Femboy
auch: femboi
Junge oder junger Mann mit betont femininem Auftreten. Sagt nichts über die Orientierung aus.
Der Begriff kommt aus dem Netz und wird von manchen stolz als Selbstbeschreibung getragen, von anderen als Spott benutzt. Feminin auftreten und schwul sein sind zwei verschiedene Dinge, die ständig verwechselt werden. Es gibt hetero Femboys und sehr maskulin wirkende schwule Männer.
Tunte
auch: tuntig
Betont feminin und theatralisch auftretender schwuler Mann. Je nach Sprecher Selbstbezeichnung oder Beleidigung.
Innerhalb der Szene wird Tunte oft stolz und liebevoll benutzt. Historisch waren es genau die sichtbaren, femininen Leute, die bei Stonewall vorne standen. Von außen ist es fast immer abwertend gemeint. Faustregel: Wenn du unsicher bist, lass es.
Drag
auch: drag queen, drag king, tucke
Auftrittskunst mit bewusst übertriebener Geschlechterdarstellung.
Drag ist eine Bühnenrolle und kein Hinweis auf die Identität der Person darunter. Die allermeisten Drag Queens sind schwule Männer und keine trans Frauen, auch wenn das oft durcheinandergeht. Die Kunstform ist älter als jede Fernsehshow und war lange eine der wenigen Bühnen, die Queere hatten.
Straight-Acting
auch: str8 acting, nur maskulin, masc
Ein Auftreten, das bewusst „nicht schwul“ wirken soll. In Profilen oft als Anforderung formuliert.
Hinter „nur maskulin, keine Tunten“ steckt selten Geschmack und oft internalisierte Homophobie. Auf etwas zu stehen ist erlaubt. Alles Feminine abzuwerten ist etwas anderes, und es trifft ausgerechnet die, die für uns alle den Kopf hingehalten haben.
Jock
auch: sportler, jocks
Der sportliche Typ, oft mit Mannschaftssport-Vergangenheit.
In Apps steht Jock für durchtrainiert und eher maskulin auftretend. Wie alle diese Wörter beschreibt es einen Look, keinen Charakter. Der ganze Katalog aus Twink, Bär, Otter und Jock ist ein Sortiersystem für Fremde, nicht für dich selbst.
Otter
auch: otters
Schlank und behaart. Zwischen Twink und Bär.
Die Tierbilder der Szene lassen sich grob so sortieren: Bär ist kräftig und behaart, Otter schlank und behaart, Wolf schlank, behaart und etwas kantiger, Cub der jüngere Bär. Niemand kontrolliert das, und die meisten passen in zwei Kategorien gleichzeitig oder in keine.
Chub und Chaser
auch: chub, chaser, chubby, big guy
Chub bezeichnet dicke Männer, Chaser die, die gezielt auf sie stehen.
Beides sind Selbstbezeichnungen einer eigenen Szene mit eigenen Partys und Apps. Heikel wird es, wenn der Körper zur einzigen Eigenschaft wird und ein Mensch zum Typ schrumpft. Genau das ist der Grund, warum manche das Wort Chaser für sich ablehnen.
Ballroom
auch: voguing, vogue, house of, ball kultur
Eine Wettbewerbskultur aus Schwarzen und lateinamerikanischen queeren Communitys in New York, aus der Voguing kommt.
Seit den 1970ern treten dort Häuser gegeneinander an, in Kategorien wie Runway oder Realness. Die Häuser waren zugleich Wahlfamilien für Jugendliche, die zu Hause rausgeflogen waren. Von dort stammt ein großer Teil der Sprache, die heute selbstverständlich klingt, von „Shade“ bis „Slay“.
Gaydar
auch: gay radar, gaydargefühl
Das Gefühl, bei jemandem zu erkennen, ob er auch schwul ist.
Funktioniert schlechter als alle behaupten und beruht meist auf Klischees über Stimme, Gang und Kleidung. Wer maskulin wirkt, wird übersehen, wer weich wirkt, wird einsortiert, ob er will oder nicht. Als Spiel unter Freunden harmlos, als Grundlage für ein Outing gefährlich.
Dating und Sex
Was in Profilen steht und was beim Kennenlernen schiefgehen kann.
Top
auch: aktiv
Beim Analsex der aktive, eindringende Part.
Top, Bottom und Versatile beschreiben Vorlieben beim Sex, sonst nichts. Sie sagen nichts über Charakter, Dominanz oder Männlichkeit, auch wenn genau das ständig behauptet wird. Viele merken erst mit der Zeit, was ihnen liegt, und ändern es später wieder.
Bottom
auch: passiv
Beim Analsex der empfangende Part.
Dass Bottom „die Frauenrolle“ sei, ist Unsinn aus der Hetero-Schablone. Wichtiger als das Etikett sind Vorbereitung, Tempo und miteinander reden. Wenn etwas wehtut, ist es kein Zeichen von Schwäche, das zu sagen, sondern das Mindeste.
Es gibt keine Eile. Nichts davon muss beim ersten Date passieren oder überhaupt jemals.
Versatile
auch: vers, switch, vers top, vers bottom
Beides möglich, je nach Lust und Person.
In Apps oft als „vers“ abgekürzt, mit Zusätzen wie „vers top“, wenn eine Richtung überwiegt. Die Mehrheit landet irgendwo in diesem Bereich, auch wenn die Profile ein anderes Bild zeichnen.
Hookup
auch: one night stand, nsa, casual
Sexuelles Treffen ohne Beziehungsabsicht, meist über eine App verabredet.
Beides ist in Ordnung, Hookups oder eben nicht. Schwierig wird es nur, wenn einer von beiden etwas anderes will und es nicht sagt. Ein ehrlicher Satz vorher spart die Enttäuschung danach.
Cruising
auch: klappe, öffentlicher sex
Sex mit Fremden an bekannten Treffpunkten, klassisch in Parks, Wäldern oder an Rastplätzen.
Cruising ist älter als jede App und entstand, als es keine offenen Orte für Schwule gab. Verbreitet ist es bis heute, mit realen Risiken: Überfälle, Anzeigen wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses und keine Kontrolle darüber, wer sonst noch auftaucht.
Wenn du unter 18 bist, gehörst du dort nicht hin. Das ist keine Moral, sondern Selbstschutz.
Darkroom
auch: dark room, backroom
Abgedunkelter Raum in einer Bar oder einem Club, in dem Sex stattfindet.
Zutritt haben Erwachsene, in aller Regel ab 18. Es gelten dieselben Regeln wie überall sonst: Ein Nein ist ein Nein, auch im Dunkeln, und Grapschen ohne Zustimmung ist ein Übergriff und keine Ortstypik.
Ghosting
auch: geghostet, ghosten
Der Kontakt bricht ohne Erklärung ab, alle Nachrichten bleiben unbeantwortet.
Ghosting sagt fast immer mehr über die Person aus, die geht, als über dich. Trotzdem tut es weh, weil dein Kopf ohne Erklärung anfängt, sich selbst eine zu bauen, und die fällt meistens gemein aus. Es hilft, das für sich abzuschließen, statt auf eine Antwort zu warten, die nicht kommt.
Wenn dein Crush ghostetSexting
auch: nudes, dickpic
Erotische Nachrichten und Bilder austauschen.
Unter Erwachsenen einvernehmlich völlig legal. Wichtig für dich: Nacktbilder von Minderjährigen sind in Österreich, Deutschland und der Schweiz strafbar, auch wenn du selbst minderjährig bist und es dein eigenes Bild ist. Und was einmal verschickt ist, gehört dir nicht mehr.
Kein Gesicht, keine erkennbaren Details, nichts unter Druck, und niemals Bilder von anderen weiterleiten.
Sexting und KontrollverlustPolyamorie
auch: poly, offene beziehung, monogam
Mehrere Beziehungen gleichzeitig, mit dem Wissen und Einverständnis aller Beteiligten.
Der Unterschied zum Fremdgehen liegt genau in diesem Einverständnis. Eine offene Beziehung meint meist ein festes Paar, das Sex mit anderen erlaubt, Polyamorie meint mehrere echte Beziehungen. Beides funktioniert nur mit mehr Reden, nicht mit weniger.
Fetisch
auch: kink, bdsm, dom, sub
Eine bestimmte Sache, Situation oder Kleidung, die stark erregt. Weit verbreitet und meistens harmlos.
Von Sportklamotten über Leder bis zu Füßen ist fast alles vertreten, oft mit eigener kleiner Szene. Verwandt ist BDSM, wo es um Rollen wie Dom und Sub geht. Die Grenze verläuft dort, wo jemand nicht zustimmen kann oder will. Alles davor ist Geschmackssache.
Konsens
auch: consent, einverständnis, zustimmung
Beide wollen es, beide sagen es, und beide dürfen es jederzeit zurücknehmen.
Konsens ist keine einmalige Unterschrift am Anfang des Abends. Er gilt für die konkrete Sache in diesem Moment: Küssen heißt nicht Sex, letztes Mal heißt nicht heute, und angezogen ausgemacht heißt nicht ausgezogen bestätigt. Schweigen ist kein Ja, und wer betrunken oder zugedröhnt ist, kann nicht wirksam zustimmen. In Deutschland und Österreich gilt zusätzlich ein Schutzalter, unabhängig davon, was zwei Leute miteinander vereinbaren.
Wenn dir etwas passiert ist, dem du nicht zugestimmt hast: Das war nicht deine Schuld, egal wie die Situation entstanden ist. Beratungsstellen hören zu, ohne dass du Anzeige erstatten musst.
Beratungsstellen in AT, DE und CHSituationship
auch: situation ship, fast beziehung, talking
Mehr als ein Hookup, weniger als eine Beziehung, und niemand spricht darüber, was es ist.
Typisch sind Monate mit Guten-Morgen-Nachrichten und gemeinsamen Nächten, aber ohne Vorstellen bei Freunden und ohne Wort dafür. Für den einen ist es entspannt, für den anderen ein Wartezimmer. Die Frage „was sind wir eigentlich“ wirkt unangenehm und dauert dreißig Sekunden, das Herumraten dauert Monate.
Erste Beziehung: was ist normal?Benching
auch: auf die bank, hinhalten
Jemand hält dich warm, ohne sich zu entscheiden. Genug Kontakt, dass du bleibst, zu wenig, dass etwas wird.
Anders als beim Ghosting verschwindet die Person nicht, sie taucht immer genau dann wieder auf, wenn du innerlich abschließt. Meist steckt keine Bosheit dahinter, sondern die Angst, eine Option zu verlieren. Für dich ändert das nichts: Du bist die Option.
Ghosting und BenchingLove Bombing
auch: lovebombing, liebesbombardement
Überschwängliche Nähe in den ersten Tagen, die kippt, sobald du dich darauf einlässt.
Stündliche Nachrichten, große Worte nach einer Woche, Geschenke, die zu früh kommen. Es fühlt sich zunächst großartig an, genau das ist der Punkt: Nach der Nähe kommt der Entzug, und du fängst an, dich anzustrengen, um den Anfang zurückzubekommen. Echte Zuneigung hat kein Tempo-Limit nach unten, aber sie hält Nachfragen aus.
Toxische Muster erkennenRed Flag
auch: green flag, warnsignal, rote flagge
Ein Verhalten, das früh zeigt, dass es später Ärger gibt. Das Gegenstück heißt Green Flag.
Rote Flaggen sind selten dramatisch: Er redet schlecht über alle Ex-Freunde, drängelt beim Treffen, will keine Fotos von sich zeigen, testet deine Grenzen mit „war doch nur Spaß“. Grüne Flaggen sind genauso unspektakulär: Er sagt ab, wenn er keine Zeit hat, akzeptiert ein Nein beim ersten Mal und fragt nach, statt zu raten.
Red Flags beim Online-DatingOffene Beziehung
auch: open relationship, monogam, nichtmonogam, offene partnerschaft
Eine feste Beziehung, in der Sex mit anderen vereinbart ist.
Unter schwulen Paaren verbreiteter als anderswo und trotzdem kein Selbstläufer. Was zählt, sind Absprachen: Wer, wie oft, wo, und was wird erzählt. Offen ist nicht das Gegenteil von treu, denn gebrochen wird hier die Absprache, nicht die Monogamie. Und offen ist keine Reparatur für eine Beziehung, die schon wackelt.
Kink
auch: kinky, vorliebe
Eine sexuelle Vorliebe abseits des Erwarteten. Weiter gefasst als Fetisch.
Fast alle haben irgendetwas, die meisten reden nur nicht darüber. Ein Kink wird erst dann zum Problem, wenn er ohne Absprache passiert oder wenn ohne ihn gar nichts mehr geht. In Profilen taucht er oft als Kürzel auf, gemeint ist damit meistens: Sprich mich an, bevor du davon ausgehst.
BDSM
auch: dom, sub, switch, safeword, aftercare, dominant, submissiv
Sammelbegriff für Machtspiele, Fesseln und Schmerz als Teil von Sex. Immer abgesprochen, sonst ist es kein BDSM.
Wer die Kontrolle übernimmt, heißt Dom, wer sie abgibt, Sub, wer beides mag, Switch. Das hat mit Top und Bottom nichts zu tun. Zur Grundausstattung gehören ein Safeword, bei dem sofort Schluss ist, und Aftercare, also das Danach mit Reden, Trinken und Ruhe. Fehlt eines von beidem, ist die Person kein Dom, sondern jemand, der Grenzen überschreitet.
Wenn dir jemand einredet, ein Safeword sei unnötig oder Vertrauensbeweis genug: Das ist die klarste Red Flag, die es in dem Bereich gibt.
Sugardaddy
auch: sugar daddy, sugarboy, sugar baby
Ein älterer Mann, der Geld oder Geschenke gibt und dafür Nähe erwartet.
Das läuft selten so ab, wie es in Profilen klingt. Wer zahlt, verhandelt später über Bedingungen, und die Grenze zwischen Geschenk und Gegenleistung verschiebt sich schleichend. Bei Minderjährigen ist es keine Grauzone, sondern strafbar, unabhängig davon, wie einvernehmlich sich das anfühlt. Nach dem ersten angenommenen Geschenk ist ein Nein deutlich schwerer.
Wenn dich jemand mit Geld, Handy oder Miete unter Druck setzt, ist das Ausnutzung. Melde das Profil und hol dir Rückendeckung.
Körper und Gesundheit
Schutz, Tests und Substanzen. Sachlich, ohne Panikmache und ohne Verharmlosung.
Safer Sex
auch: kondom, schutz
Alles, was das Ansteckungsrisiko senkt: Kondome, PrEP, Impfungen und regelmäßige Tests.
Safer Sex ist kein Alles-oder-nichts. Kondome schützen vor HIV und senken das Risiko bei anderen Infektionen deutlich. PrEP schützt sehr zuverlässig vor HIV, aber nicht vor Syphilis oder Tripper. Impfungen gegen Hepatitis A und B sowie gegen HPV sind für junge schwule Männer besonders sinnvoll und meist kostenlos.
Safer Sex im DetailHIV
auch: aids, positiv
Ein Virus, das unbehandelt das Immunsystem zerstört. Behandelt führt es heute zu einem normalen Leben mit normaler Lebenserwartung.
Mit Medikamenten sinkt die Virusmenge so weit, dass sie nicht mehr nachweisbar ist. HIV ist längst kein Todesurteil mehr, auch wenn Bilder aus den Achtzigern das Bild bis heute prägen. Was geblieben ist, ist die Ausgrenzung, und die trifft viele härter als die Erkrankung selbst.
Wo die Forschung stehtU=U
auch: n=n, nicht nachweisbar, nicht übertragbar
Nicht nachweisbar bedeutet nicht übertragbar. Wer HIV hat und behandelt wird, kann das Virus nicht weitergeben.
Das ist keine Beschwichtigung, sondern durch große Studien belegt und weltweiter medizinischer Konsens. Praktisch heißt das: Sex mit einem Mann, der von seiner HIV-Infektion weiß und in Behandlung ist, ist sicherer als mit jemandem, der von seiner frischen Infektion noch nichts ahnt.
PrEP
auch: prä-expositionsprophylaxe, truvada
Eine Tablette, die HIV-negative Menschen vor einer Ansteckung mit HIV schützt.
Richtig eingenommen liegt der Schutz bei über 99 Prozent. Vor anderen Geschlechtskrankheiten schützt sie nicht, deshalb gehören regelmäßige Tests dazu. In Deutschland zahlt die Krankenkasse, in Österreich und der Schweiz zahlt man meist selbst, es gibt aber günstige Wege über Schwerpunktpraxen und Checkpoints.
Verschreibungspflichtig. Erste Anlaufstelle ist ein Checkpoint oder eine HIV-Schwerpunktpraxis.
PrEP für Jugendliche erklärtPEP
auch: post-expositionsprophylaxe, notfall
Die Notfallbehandlung nach einem Risikokontakt. Muss so schnell wie möglich beginnen, spätestens nach 72 Stunden.
Wenn das Kondom gerissen ist oder du sonst ein Risiko hattest: sofort in eine Notaufnahme oder Infektionsambulanz, nicht bis morgen warten. Je früher, desto besser wirkt sie. Die Behandlung läuft dann vier Wochen.
Im Zweifel immer hingehen und fragen. Peinlich ist das dort niemandem, das ist Alltag.
STI
auch: geschlechtskrankheit, tripper, syphilis, chlamydien, std
Sexuell übertragbare Infektionen wie Tripper, Chlamydien oder Syphilis. Häufig und meist gut behandelbar.
Viele verlaufen ohne Symptome, gerade im Rachen und im Darm. Abwarten bringt deshalb nichts und Testen alles. Für sexuell aktive schwule Männer gelten Tests alle drei bis sechs Monate als sinnvoll. In Checkpoints geht das anonym und oft kostenlos.
Poppers
auch: amylnitrit, rush
Ein Inhalationsmittel, das die Muskulatur kurz entspannt und einen wenige Minuten dauernden Rausch auslöst.
Verbreitet in der Szene und trotzdem nicht harmlos. Zusammen mit Potenzmitteln kann der Blutdruck lebensgefährlich abstürzen. Dazu kommen Kopfschmerzen, bei Kontakt mit den Augen Sehschäden, und verschluckt ist das Zeug akut giftig.
Chemsex
auch: party and play, pnp, slamming
Sex unter dem Einfluss bestimmter Drogen, meist über viele Stunden und oft mit mehreren Beteiligten.
Das Risiko liegt nicht nur in den Substanzen, sondern in der Kombination: Überdosierungen, weggefallene Hemmschwellen, kein Schutz, und am Ende keine Erinnerung daran, wer überhaupt dabei war. Eine Abhängigkeit entsteht hier schneller, als die meisten erwarten.
Wenn du merkst, dass du nüchternen Sex nicht mehr willst oder kannst: Das ist der Zeitpunkt für ein Gespräch, nicht später. Es gibt Beratung, die nicht moralisiert.
Bareback
auch: bb, raw, ohne kondom
Sex ohne Kondom. In Profilen oft als „bb“ oder „raw“ abgekürzt.
Ohne Schutz überträgt sich HIV und alles andere am leichtesten. Wenn es trotzdem passiert oder bewusst so gewollt ist, schließt PrEP die HIV-Lücke und regelmäßige Tests erledigen den Rest. Druck in diese Richtung, „nur einmal ohne“, ist ein Warnsignal und kein Kompliment.
Kondom
auch: gummi, präser, condom
Der einzige Schutz, der gleichzeitig vor HIV und den meisten anderen Infektionen schützt.
Größe ist wichtiger als Marke: Zu eng reißt, zu weit rutscht, und beides merkt man erst hinterher. Fett und Öl zerstören Latex, also nur Gleitgel auf Wasser- oder Silikonbasis dazu. PrEP schützt sehr gut vor HIV, aber nicht vor Syphilis, Tripper oder Chlamydien, weshalb sich beides nicht ausschließt.
Kondom-Ratgeber: Größe und AnwendungGleitgel
auch: lube, gleitmittel
Beim Analsex kein Extra, sondern Voraussetzung. Der Darm produziert selbst keine Feuchtigkeit.
Wasserbasiert passt zu allem und lässt sich abwaschen, muss aber nachgelegt werden. Silikon hält länger, greift dafür Spielzeug aus Silikon an. Öl, Vaseline und Hautcreme haben hier nichts verloren, weil sie Kondome zerstören. Zu wenig Gleitgel ist einer der häufigsten Gründe für kleine Risse, und über die kommen Infektionen leichter rein.
Analdusche
auch: douching, ausspülen, anal duschen, spülung
Das Ausspülen des Enddarms vor dem Sex. Verbreitet, aber weniger nötig als gedacht.
Für gewöhnlichen Analsex reicht meist duschen und abwarten, bis der Darm leer ist. Wer spült, nimmt lauwarmes Wasser ohne Zusätze, wenig Druck und nicht kurz vorher. Häufiges oder zu starkes Spülen reizt die Schleimhaut, und eine gereizte Schleimhaut erhöht das Infektionsrisiko. Dass etwas passieren kann, gehört dazu, und der andere weiß das auch.
Analdusche: was du wissen musstHeimtest
auch: selbsttest, schnelltest, checkpoint, hiv test
Ein Test, den du selbst machst oder anonym in einem Checkpoint bekommst.
HIV-Selbsttests aus der Apotheke sind zuverlässig, brauchen aber sechs bis zwölf Wochen Abstand zum Risiko, sonst zeigen sie nichts. Ein positives Ergebnis ist immer nur ein Verdacht und muss im Labor bestätigt werden. Checkpoints und Aidshilfen testen anonym, kostenlos oder günstig, und dort wird auch gleich auf Syphilis und andere Infektionen mitgetestet.
Unter 18 darfst du dich in Deutschland und Österreich in der Regel ohne Eltern testen lassen, wenn du die Tragweite verstehst. Frag vorher kurz beim Checkpoint nach.
Syphilis
auch: lues, syph
Eine bakterielle Infektion, die mit Antibiotika gut heilbar ist und ohne Behandlung schwere Folgen hat.
Das erste Zeichen ist meist ein einzelnes, schmerzloses Geschwür, das von allein wieder verschwindet. Genau das macht sie tückisch: Weg heißt nicht weg. Übertragen wird sie schon durch Haut- und Schleimhautkontakt, Kondome senken das Risiko, schließen es aber nicht aus. Wer regelmäßig Sex mit wechselnden Partnern hat, sollte sich alle drei bis sechs Monate testen lassen.
Tripper
auch: gonorrhoe, gonorrhö, clap
Die häufigste bakterielle Geschlechtskrankheit nach Chlamydien. Brennen beim Pinkeln, oft aber auch gar nichts.
Im Rachen und im Enddarm verläuft Tripper meist völlig unbemerkt, deshalb wird beim Test dort extra abgestrichen. Behandelt wird mit Antibiotika, und der Partner muss mitbehandelt werden, sonst schiebt man sich das gegenseitig zu. Resistenzen nehmen zu, weshalb Selbstmedikation mit Restpackungen aus der Schublade eine schlechte Idee ist.
Mpox
auch: affenpocken, monkeypox
Eine Virusinfektion mit Hautveränderungen, die 2022 vor allem in schwulen Netzwerken zirkulierte.
Übertragen wird sie durch engen Hautkontakt, nicht nur beim Sex. Typisch sind einzelne Bläschen oder Wunden, dazu Fieber und geschwollene Lymphknoten. Es gibt eine Impfung, die von den Gesundheitsämtern und Checkpoints für Männer mit häufig wechselnden Partnern empfohlen wird und meist kostenlos ist.
HPV-Impfung
auch: hpv, humane papillomviren, feigwarzen, gardasil
Impfung gegen die Viren, die Feigwarzen und später Krebs im Anal- und Rachenbereich auslösen können.
HPV ist so verbreitet, dass fast jeder sexuell aktive Mensch irgendwann damit Kontakt hat. Die Impfung wirkt am besten vor dem ersten Sex, deshalb wird sie für alle zwischen 9 und 17 empfohlen und von der Kasse bezahlt. Nachholen geht auch später, viele Kassen zahlen bis 26. Kondome senken das Risiko nur teilweise, weil auch die umliegende Haut betroffen ist.
Sicher unterwegs
Die Begriffe, die zählen, wenn jemand deine Grenzen testet. Erklärt, bevor du sie brauchst.
Grooming
auch: cyber grooming, anbahnung, cybergrooming
Wenn ein Erwachsener gezielt Vertrauen zu einem Minderjährigen aufbaut, um später sexuelle Kontakte zu erreichen.
Das Muster ist fast immer gleich: viel Verständnis am Anfang, ein Geheimnis zu zweit, dann der Wechsel auf einen Chat ohne Moderation, dann Bilder. Es fühlt sich lange nicht nach Gefahr an, sondern danach, endlich verstanden zu werden. Genau darauf zielt es ab. Cyber-Grooming ist in Deutschland und Österreich strafbar, auch schon im Versuch.
Wenn dich jemand drängt, den Chat zu wechseln, Fotos zu schicken oder nichts zu erzählen: Das ist der Punkt zum Abbrechen und Melden. Du bekommst dafür keinen Ärger.
Cyber-Grooming erkennenSextortion
auch: sexerpressung, erpressung mit nacktbildern, sexpressung
Erpressung mit intimen Bildern. Erst kommt der nette Chat, dann die Drohung, alles an Familie und Freunde zu schicken.
Das läuft oft industriell ab, mit Skripten und gefälschten Profilen, und trifft besonders Jungs, die nicht geoutet sind. Zahlen hilft nie, danach kommt die nächste Forderung. Richtig ist: nicht antworten, Profil und Chat als Beweis sichern, blockieren, melden und mit einem Erwachsenen oder einer Beratungsstelle sprechen. Die Bilder werden fast nie tatsächlich verschickt, weil das Geschäft an der Drohung hängt.
Das ist eine Straftat, und du bist das Opfer, auch wenn du die Bilder selbst geschickt hast. Die Polizei behandelt das inzwischen routiniert.
Erpressung mit Outing: was tun?Nudes
auch: nacktbilder, nudes schicken, nacktfotos
Intime Fotos von dir. Einmal verschickt, hast du keine Kontrolle mehr darüber.
Wer welche schickt, sollte wissen: Ein Screenshot dauert eine Sekunde und funktioniert auch bei Bildern, die sich angeblich selbst löschen. Weniger angreifbar wird es ohne Gesicht, ohne Tattoos und ohne erkennbaren Hintergrund. Und rechtlich heikel: Bei Minderjährigen gelten solche Bilder als Missbrauchsdarstellungen, auch wenn man sie von sich selbst macht und freiwillig verschickt.
Wenn ein Bild von dir weiterverbreitet wurde, kannst du es über die Plattform löschen lassen. Beratungsstellen helfen beim Vorgehen, ohne dir Vorwürfe zu machen.
Sexting: Vertrauen und KontrollverlustCatfishing
auch: catfish, fakeprofil
Jemand gibt sich mit fremden Fotos und erfundener Biografie als eine andere Person aus.
Typische Zeichen: Videocalls werden immer wieder verschoben, die Bilder wirken zu professionell, und früh geht es um Geld oder Nacktbilder. Eine Bildrückwärtssuche entlarvt die meisten in unter einer Minute.
Catfishing erkennenDickpic
auch: dick pic, schwanzbild, penisbild
Ein Foto des eigenen Penis. Erwünscht nach Absprache, sonst eine Belästigung.
In schwulen Apps gehört es für viele zum Alltag, was nichts daran ändert, dass ein ungefragtes Bild eine Grenzüberschreitung ist. In Deutschland und Österreich kann das als sexuelle Belästigung verfolgt werden. Bei uns gilt die einfachere Regel: Nicht ungefragt schicken, und wer eins bekommt, das er nicht wollte, meldet es.
Doxxing
auch: doxing, daten veröffentlichen, deanonymisierung
Das Zusammentragen und Veröffentlichen persönlicher Daten, um jemanden angreifbar zu machen.
Bei queeren Jugendlichen läuft das oft auf ein erzwungenes Outing hinaus: Klarname, Schule, Wohnort, dazu Screenshots aus einer App. Zusammengesetzt wird das aus Kleinigkeiten, die einzeln harmlos wirken, etwa dem Vereinstrikot auf einem Foto. Ein Profilbild ohne Ortsbezug und ein Nickname, den du nirgends sonst benutzt, machen die Arbeit dabei deutlich schwerer.
Safer Dating
auch: sicheres date, erstes treffen, safe dating
Die paar Regeln, mit denen ein Treffen mit einer Internetbekanntschaft sicher bleibt.
Vorher telefonieren oder kurz per Video sprechen, weil ein Fake-Profil das selten überlebt. Das erste Mal an einen öffentlichen Ort, nicht in eine Wohnung. Jemandem sagen, wo du bist und wann du dich wieder meldest. Selbst hinkommen und wieder wegkommen, ohne auf eine Mitfahrgelegenheit angewiesen zu sein. Und der wichtigste Punkt: Wenn dir vor Ort etwas komisch vorkommt, darfst du kommentarlos gehen.
Safer Dating: Treffen mit InternetkontaktenMelden und Blockieren
auch: blockieren, melden, report, profil melden
Die zwei Knöpfe, die es in jeder App gibt und die zu selten benutzt werden.
Blockieren beendet den Kontakt für dich, melden sorgt dafür, dass die Moderation den Fall sieht und die Person nicht beim Nächsten weitermacht. Beides ist anonym, die gemeldete Person erfährt nicht, von wem die Meldung kam. Du brauchst keinen Beweis und keine Begründung wie vor Gericht, ein ungutes Gefühl reicht als Anlass.
Melden ist kein Petzen. Bei uns schaut ein Mensch drauf, und im Zweifel fragen wir lieber einmal zu viel nach.
Pride und Politik
Symbole, Geschichte und die Debatten, die jedes Jahr wiederkommen.
Pride
auch: pride month, stolz
Der Stolz darauf, sichtbar zu sein, und die Bewegung, die daraus entstanden ist.
Der Gegenbegriff ist Scham, und genau darum ging es historisch: sich nicht mehr verstecken zu müssen. Heute ist Pride Demonstration und Party zugleich, was jedes Jahr zu Streit darüber führt, was davon zu kurz kommt.
CSD
auch: christopher street day, regenbogenparade, zurich pride, parade
Christopher Street Day, die jährliche Demonstration für queere Rechte. In Wien heißt sie Regenbogenparade, in Zürich Zurich Pride.
Benannt nach der Christopher Street in New York, wo 1969 der Aufstand begann. Ein CSD ist formal eine Demonstration und damit auch für Minderjährige zugänglich. Für viele ist der erste CSD der erste Tag im Leben, an dem sie in der Mehrheit sind.
CSD 2026Stonewall
auch: stonewall inn, stonewall riots, aufstand
Der Aufstand 1969 in der New Yorker Bar Stonewall Inn, aus dem die moderne queere Bewegung hervorging.
Nach einer Polizeirazzia wehrten sich die Gäste sechs Nächte lang. Vorne standen die, die am wenigsten zu verlieren hatten: trans Frauen, Schwarze und lateinamerikanische Dragqueens, Obdachlose. Ein Jahr später fand der erste Marsch statt, aus dem der CSD wurde.
Regenbogenflagge
auch: pride flag, progressflagge, progress flag, regenbogenfahne
Das bekannteste queere Symbol, seit 1978 im Einsatz.
Die ursprüngliche Fahne hatte acht Streifen, heute sind sechs üblich. Die Progress-Flagge ergänzt einen Keil in Hellblau, Rosa, Weiß, Braun und Schwarz für trans Menschen und queere People of Color. Daneben gibt es eigene Flaggen für bi, pan, ace, non-binär und viele weitere.
Pinkwashing
auch: rainbow capitalism, regenbogenkapitalismus
Wenn Firmen oder Staaten sich queerfreundlich zeigen, ohne dass dahinter etwas steht.
Erkennbar am Kalender: Im Juni ist das Logo bunt, im Juli wieder grau, und an Spenden oder Arbeitsbedingungen ändert sich nie etwas. Nicht jedes Pride-Logo ist Pinkwashing. Die Frage, was die Firma in den anderen elf Monaten tut, ist trotzdem immer erlaubt.
Ehe für alle
auch: gleichgeschlechtliche ehe, homo ehe, eheöffnung
Gleichgeschlechtliche Paare dürfen heiraten. In Deutschland seit 2017, in Österreich seit 2019, in der Schweiz seit 2022.
Vorher gab es Ersatzkonstruktionen mit weniger Rechten, vor allem beim gemeinsamen Adoptieren. Die Öffnung kam in allen drei Ländern spät und nicht freiwillig: In Österreich und der Schweiz gaben Gerichte und eine Volksabstimmung den Ausschlag. Weltweit ist Heiraten für queere Paare weiterhin in der Minderheit der Staaten möglich.
Eingetragene Partnerschaft
auch: verpartnerung, eingetragene lebenspartnerschaft, zivile partnerschaft
Die Vorstufe zur Ehe, die es in Österreich weiterhin für alle Paare gibt.
In Deutschland können seit 2017 keine neuen Lebenspartnerschaften mehr geschlossen werden, bestehende gelten weiter oder wurden in Ehen umgewandelt. In Österreich steht die eingetragene Partnerschaft seit 2019 auch heterosexuellen Paaren offen, in der Schweiz gilt Ähnliches. Rechtlich ist sie der Ehe heute weitgehend gleichgestellt, der Name erinnert aber daran, dass sie als Ersatz gedacht war.
Eingetragene Partnerschaft: was vorher wichtig istRegenbogenfamilie
auch: queere familie, zwei väter, zwei mütter
Eine Familie, in der mindestens ein Elternteil queer ist.
Die Wege dahin sind unterschiedlich: Kinder aus früheren Beziehungen, Pflege, Adoption, Co-Elternschaft mit befreundeten Frauen. Studien über inzwischen vierzig Jahre finden keinen Nachteil für die Kinder, wohl aber mehr Erklärungsbedarf gegenüber Behörden und Schulen. Rechtlich hinken alle drei Länder hinterher, besonders bei der Anerkennung des zweiten Elternteils.
Paragraf 175
auch: paragraph 175, §175, rosa winkel, totalverbot
Der deutsche Strafrechtsparagraf, der Sex zwischen Männern über hundert Jahre lang unter Strafe stellte.
Von 1872 bis 1994, verschärft durch die Nationalsozialisten, die tausende Männer in Konzentrationslager brachten, gekennzeichnet mit dem rosa Winkel. Die Bundesrepublik übernahm die verschärfte Fassung unverändert und verurteilte bis 1969 weitere 50.000 Männer. Rehabilitiert und entschädigt wurden sie erst 2017. In Österreich fiel das entsprechende Verbot 1971, die letzten Sonderparagrafen erst 2002.
Blutspende
auch: blutspenden, msm blutspende
Schwule Männer durften jahrzehntelang kein Blut spenden. Seit 2023 zählt in Deutschland das Verhalten, nicht die Orientierung.
Das alte Verbot stammte aus den 1980ern und blieb, obwohl jede Spende ohnehin getestet wird. Heute gelten in Deutschland für alle dieselben Fragen nach Risikosituationen der letzten vier Monate. Österreich hat 2022 nachgezogen, die Schweiz 2023. Wer PrEP nimmt, ist weiterhin ausgeschlossen, was fachlich umstritten ist.
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